Gates: Einsicht und Tränen zum Abschied
Mit Tränen hat sich Microsoft-Gründer Bill Gates in seinen vorzeitigen Ruhestand verabschiedet. Er gab auch Fehler zu, etwa bei der Einschätzung der Internet-Suche und der Online-Werbung.
Mit Tränen in den Augen nahm Gates am Freitag von seinem Lebenswerk Microsoft Abschied. "Es wird keinen Tag in meinem Leben geben, an dem ich nicht an Microsoft denken werde", sagte der Milliardär am Hauptsitz des Software-Riesen in Redmond. Die Mitarbeiter zollten Gates mit Standing Ovations Respekt.
Gerührt zeigte sich auch Microsoft-Chef Steve Ballmer, der neben seinem Weggefährten auf der Bühne stand und an die gemeinsamen Jahre erinnerte. "Es gibt keine richtige Art, Bill zu danken. Bill ist der Gründer. Bill ist der Anführer. Das hier ist Bills Baby", so Ballmer, der ebenfalls Tränen in den Augen hatte.
"Wir haben Suche und Werbung verpasst"
Gates gab sich an seinem letzten Tag auch selbstkritisch: "In der Software-Branche muss man die Wendungen der Straße im Voraus erahnen", sagte er vor den 800 Beschäftigten, die ihre Plätze in einer Lotterie gewonnen hatten. "Wir haben die Themen Suche und Werbung [im Internet] verpasst."
"Wenn wir eine große Chance verpassen, ist das eines der gefährlichsten Dinge für uns. Es ist oft passiert. Das ist okay, aber je weniger, desto besser." Gates kündigte verstärkte Anstrengungen in diesen Bereichen an.
"Singin' in the Rain"
Er bekräftigte seine Absicht, sich aus dem Tagesgeschäft bei Microsoft herauszuhalten: "Wenn ich nicht mehr da bin, gibt es die Chance, dass andere die Lücke füllen. Ich muss aus dem Weg gehen, damit etwas Neues entstehen kann."
Gates und Ballmer erzählten zudem von ihrem ersten Zusammentreffen und gemeinsamen Erlebnissen. Am ersten gemeinsamen Abend sahen sie zusammen "Singin' in the Rain" und "Clockwork Orange". Auf dem Nachhauseweg hätten sie Gene Kelly nachgeahmt und gesungen, erzählte Ballmer, woraufhin ihn ein Student im Wohnheim auf den Boden geworfen habe. Gates habe ihn dann befreit.
Die New Yorker Börse NASDAQ reagierte gelassen auf den Rückzug von Gates. Die Microsoft-Aktie schloss am Freitag [Ortszeit] bei 27,63 Dollar, zwölf Cent [0,43 Prozent] unter dem Vortageswert. Allerdings hat das Papier seit Jahresanfang rund 22 Prozent nachgegeben.
(AP | dpa | Reuters)
