Neue Tarifregeln für Handygespräche

EU
26.06.2008

Nach der Senkung der Roaming-Gebühren unternimmt die EU-Kommission einen weiteren Vorstoß für niedrigere Mobilfunkgebühren.

Die für Telekommunikation zuständige EU-Kommissarin Viviane Reding nimmt sich nun die Zusammenschaltungsentgelte, die Provider für die Weiterleitung der Gespräche in andere Netze untereinander verrechnen, vor.

Ziel sei eine Reduktion der Tarife, die für Anrufe ins Handynetz bezahlt werden, um 70 Prozent bis 2011, sagte Reding am Donnerstag in Brüssel.

Nach Angaben der EU-Behörde reichen die Terminierungsentgelte im Mobilfunk derzeit von zwei Cent pro Minute in Zypern bis zu 18 Cent in Bulgarien.

Hindernis für einheitlichen Markt

Die von den Mobilfunkbetreibern verrechneten Terminierungsentgelte seien im europäischen Durchschnitt auch neunmal höher als die von Festnetzbetreibern verlangten Zustellungstarife von durchschnittlich 0,6 Cent.

"Ungleichartige Terminierungsentgelte in der ganzen EU und die große Kluft zwischen Festnetz und mobilen Zustellungstarifen sind ein beträchtliches Hindernis für die Schaffung eines einheitlichen europäischen Telekommarkts, der dem Wettbewerb und den Konsumenten nützt", so Reding in einer Pressemitteilung. Letztlich müssten die Endkunden für diese Preisunterschiede zahlen.

Weitere regulatorische Schritte seien daher nötig. "In den nächsten drei Jahren erwarte ich eine größere Übereinstimmung und Koordinierung, um die Kosten für mobile Anrufe gegenüber jetzt um 70 Prozent zu reduzieren."

Die Terminierungsentgelte werden von den nationalen Telekomregulatoren festgesetzt.

Nach einem Beschluss der österreichischen Telekom-Control-Kommission [TKK] vom September sollen die heimischen Zustellungstarife bis spätestens 2009 auf 5,72 Cent je Minute gesenkt werden. Telefonate aus dem Festnetz zum Handy sollen dadurch deutlich billiger werden. Vor allem die spät gestarteten Mobilfunker dürfen im Moment noch höhere Terminierungsentgelte verrechnen.

Keine Gesetzeskraft

Anders als bei der von der EU verordneten Senkung der Roaming-Gebühren hat die neue EU-Initiative noch keine Gesetzeskraft. Die EU-Kommission legte am Donnerstag erst einen Entwurf für eine Empfehlung vor, die im Oktober fertig sein soll.

Außerdem startet die EU-Behörde eine öffentliche Befragung zu diesem Thema. Die Empfehlung der Kommission enthält Prinzipien, die auf eine einheitlichere Berechnung der Terminierungsentgelte zielen. So sollen Wettbewerbsverzerrungen durch Entgelte, die vom Festnetz an den Mobilfunk gezahlt werden, abgeschafft werden.

Tarife sollen auch Telekoms helfen

EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes sagte ebenfalls, die Endkunden könnten durch eine solche Neuregelung niedrigere Tarife erwarten. Aber auch große Teile der Telekomindustrie würden von der Beseitigung von Wettbewerbsverzerrungen profitieren.

"Es wird auch die großen Summen für Terminierungsentgelte reduzieren, die kleinere Mobilfunkbetreiber an größere zahlen müssen, wenn sie mit Letzteren bei den sehr populären Flatrate-Angeboten konkurrieren wollen", so Kroes.

(APA)