BITKOM setzt auf biometrische Kontrollen
Der deutsche IT-Industrieverband BITKOM fordert die Ausweitung der biometrischen Grenzkontrollen über Fingerabdrücke und Gesichtserkennung hinaus.
Der BITKOM lobbyiert heftig für den flächendeckenden Einsatz von biometrischen Grenzkontrollen in Deutschland. Gemeinsam mit dem Flughafenverband ADV fordert der BITKOM von der deutschen Bundesregierung die möglichst zügige Einführung biometrischer Erkennungssysteme auf Flughäfen. Es seien zwar weltweit schon rund 70 Millionen E-Pässe mit Chip im Umlauf, allerdings gebe es in Deutschland noch keinen Plan zur Einführung entsprechender Überprüfungssysteme an den Grenzen.
Dabei will sich der BITKOM keineswegs auf die bereits eingeführten "Sicherheitspässe" mit Fingerabdruckdaten auf dem Chip und die automatische Gesichtserkennung verlassen. Der Verband fordert, auch "die Evaluierung weiterer existierender oder in Entwicklung befindlicher biometrischer Verfahren für die Nutzung in hoheitlichen Anwendungen voranzutreiben".
Nächste Maßnahme: Iris-Scan
Der Verband verdeutlicht auch, an welche Art von Systemen er denkt, indem er die seit 2004 auf dem Flughafen Frankfurt getesteten Iris-Scanner anführt. Ähnliche Systeme sind in Großbritannien und den USA im Einsatz. Der BITKOM hält die biometrischen Kontrollen für sicher und komfortabel. "Während Ausweise oder Passwörter vergessen, gestohlen, gefälscht oder bewusst weitergegeben werden können, sind Fingerabdruck, Iris, Gesicht oder Stimme untrennbar mit der Person verbunden", so der Verband in seiner Mitteilung.
Biometrie in SIS II
Hintergrund der Mitteilung ist die Diskussion über die Datenverarbeitung in der Neuauflage des Schengener Informationssystems SIS II. Hier, so der Verband, sei die Debatte über die Aufnahme biometrischer Merkmale nicht abgeschlossen. Menschen, die um ein Visum für den Schengen-Raum ansuchen, müssen Gesichtsbild und alle zehn Fingerabdrücke beim Visa-Informationssystem [VIS] abliefern. Im Hintergrund arbeitet das zentrale Biometric Matching System [BMS], das die Daten in SIS II und VIS vergleicht. Bisher werden an den deutschen Grenzen nur die maschinenlesbaren Informationen auf dem Pass automatisch mit Fahndungssystemen abgeglichen.
SIS II verlange nach einer neuen Einrichtung der EDV-Infrastruktur der Grenzkontrollsysteme. Hier sollten biometrische Erkennungssysteme implementiert werden, so der Verband, der "die führende Rolle der Bundesregierung" bei der Einführung neuer Reisedokumente begrüßt und anregt, "diese herausragende Position auch für die beschleunigte Einführung der biometriegestützten Grenzkontrolle zu nutzen". Dadurch könne "der deutschen Industrie ein Wettbewerbsvorteil auf den internationalen Märkten verschafft werden", so der Verband in seinem Positionspapier.
CCC-Hacker Starbug hat in Wien gezeigt, wie man schnell, billig und effizient Fingerabdrücke kopiert und damit Scanner narrt. Vor allem erläuterte er den Rüstungskreislauf der Biometrie-Industrie, der den Steuerzahler teuer kommen dürfte - mit fragwürdigem Nutzen.
