Willkommen in der IT-Fremdenlegion

28.06.2008

Das Öl teurer, das iPhone billiger, die Server virtueller: Schlechte Zeiten für Jobsuchende im IT-Bereich brechen an. Entsprechend hören sich auch die Rekrutierungs-, will sagen Bewerbungsgespräche an.

Anmerkung:

Es ist der Redaktion gelungen, das Transkript eines kürzlich erfolgten Bewerbungsgesprächs in einer sehr großen Firma als Realtime-Download aus dem IM zu "organisieren". Dieses Gespräch hat so natürlich nie stattgefunden. Und wenn irgendeine "Flachpfeife mit Uniabschluss", so der HR-Chef, "etwas anderes behauptet, dann zieh ich ihm mit der Laserdrucker-Walze seine Lallzunge auf Pythonlänge […], und damit meine ich das Vieh, keine Programmiersprache, klar?!"

Ja, man hätte eben den Mann doch nicht von den Marines abwerben sollen.

Soooooo, ahaaaaaaaaaa, da hat man sich also bei diesen Yahoo-Losern "schlaugemacht", was man in der ausgeschriebenen Position in Seattle verdienen würde! Schau an! "Schlau" ist man also. Merk Dir das schon einmal, Rekrut Beutelratte: Der einzige Schlaue außer mir hatte letzte Woche seinen 96. und hätte sich beim Anblick von Dir freiwillig noch einen Zahn ausgeschlagen und Deine Visage als Warnung draufmalen lassen. Sooooooooooo, der Herr fühlt sich berufen und will den ersten Computer noch einmal von vorne bauen! Und da braucht er natürlich einen Titel wie "Lead IT-Special-Manager"? Runter auf den Boden, sag ich! 30 Liegestütze über dem aufgeklappten Laptop! Zackzack!

[Der Bewerber liegt nach 16 Liegestützen keuchend vor dem Tisch, den Abdruck eines DELL von vorletzter Saison auf dem Bauch.]

Was? Schon schlapp? Spielen wir Maxdata? Aber so wird das nichts mit der Karriere. Hier bei uns, da kriechen die Soldaten morgens rein und danken dem lieben Herrgott auf Knien, dass sie ein Dach über dem Kopf und einen Tisch voller unlösbarer Aufgaben haben. Und wenn nicht, dann kriegen die eins auf die Schweineohren, dass sie danach freiwillig die Festplatten mit dem Handmagneten formatieren.

Und Bonus? Bonus kriegen hier die Putzfrauen, nicht irgendein dahergelaufener Mausschieber! Hier herrscht ein anderer Ton als zu Zeiten von Lochkarte und Magnetband. Hier rechnen wir in Tonnen, nicht in Kilo. Und gegrüßt wird mit "Sir! Einen wunderhübschen guten Umsatz, Sir!" Ich will Deine Finger auf der Maus bluten und das Weiße Deiner Tasten so schnell in Richtung Schreibtisch verschwinden sehen, so dass Deine Mutter glaubt, sie hat einen Kolibri in diese schöne Welt gesetzt. Verstanden?!?

Ich hör nichts …

VÄRRRstanden?!? ...

Geht doch.

Ab jetzt stellt der Chef zusammen, was für Dich wichtig ist. Und wenn ich Dich mehr als einmal am Tag im grünen Bereich rumlungern sehe, dann press ich Dir Deinen Dienstwagen zum Kasperlroller zusammen und drück Dir das älteste Diensthandy der Firma in die Klaue!

Haben wir uns verstanden, oder brauchst Du das noch als vertrottelte Keynote im schwarzen Trauerfetzen von mir?!

[Der Bewerber muckt nicht mehr auf.]

Gut, und jetzt geh da hinten spielen und glaub' ja nicht, dass es Weihnachtsgeld gibt. Nicht mal, damit deine blutleere Tante ihr altes Bügeleisen gegen ein iPhone tauschen kann. Ich kenne keinen 11. Juli!!!

(Harald Taglinger)