Besuch von der Browser-Fee

21.06.2008

Es war einmal eine Gruppe Unerschrockener, die in einem kleinen weltweiten Dorf lebten und den lieben langen Tag den Riesen hoch oben im Nordwesten ärgerten. Sie taten das, indem sie ein Werkzeug schmiedeten, das so schön, so leicht, so gut war, wie man es sich in seinen kühnsten Spec-Papers nicht vorstellen wollte.

Und dieses Werkzeug, das sie den Feuerfuchs nannten, stellten sie nachts heimlich vor die Hütten der Armen. Wenn diese in der Früh die Türen öffneten, dann war ihre Freude groß, und es brach ein Jubel aus in allen Dörfern weit und breit. Man pries die Unerschrockenen und verlachte den Riesen im Nordwesten.

Der raufte sich die Haare, tobte in der Gegend herum und ließ eins um das andere Werkzeug aus noch feinerem Stoffe und wunderbarer Handarbeit ebenfalls vor die Türen der Armen stellen. Aber siehe da: Die verschmähten es, und so lehnten immer mehr Feuerfüchse an den Feuerstellen und hatten sich dort ihren Platz erobert.

Eines Abends aber kam eine Fee in ein Dorf. Sie war auf der Durchreise und langweilte sich sehr. Also fragte sie im Gasthaus nach dem Ärmsten der Armen und machte sich auch gleich auf den Weg zu seinem Hause, um dem Manne etwas Gutes zu tun. Sie klopfte an die Türe, war verwundert über den Ausruf: "Aber ich habe doch gestern Nacht schon auf 3.0 upgedatet!" und wollte gerade wieder davonschleichen, als sie doch das alte, rostige Schloss hörte und einen verknautschten Kopf mit strubbligem Barte den Türspalt hinauslugen sah.

"Guten Tag, lieber, armer Gevatter", sagte sie da und lächelte. Ein unterdrücktes Schnäuzen kam zurück aus dem Haus und die vorsichtige Frage, was sie denn wolle und was denn nun schon wieder sei. Und bevor noch mit einem "Wir downloaden nichts, danke", die Türe geschlossen wurde, hatte sie hervorgestoßen:

"Ich bin eine wunschlose Fee und werde dir fünf Wünsche - weil du es bist - zu deinem liebsten Werkzeuge erfüllen. Ich habe gerade nichts anderes zu tun. Also?"

Nun, was kann da schon schiefgehen? Also sagte der unglückliche Arme, er wolle in der Version 4.0 von seinem Feuerfuchse:

• dass er Peak Surf verhindere oder dazu anstifte;

• alle Freunde wie von Zauberhand finde;

• alle anderen Werkzeuge wie ein Kästchen so klein mache;

• mit seinem Aussehen den Steuereintreiber verjage;

• und sich selbst nicht gar so wichtig nehme.

Die Fee ließ entnervt die Arme sinken, starrte ein wenig in die halb geöffnete Türe und murmelte: "Ehm, das ist alles?" Der arme alte Arme sah die Fee an, nickte und meinte, das würde ihm schon reichen.

Der Feuerfuchs sei inzwischen schön und recht, und mit dem anderen Zeugs vor der Türe wüsste man ja auch nur noch Blödsinn anzufangen. Die Fee nickte, rief ihren Freund hoch oben im Nordwesten an und meinte: "Lass gut sein, Stevie-Boy, das interessiert bald wirklich keinen mehr. Brauchst keine weitere Fee durchs Dorf zu jagen."

(Harald Taglinger)