Verwarnte Drucker und andere Irrtümer

06.06.2008

Eine US-Studie zeigt, dass Abmahnungen wegen Urheberrechtsverletzungen in Online-Tauschbörsen oft ungerechtfertigt sind. Sogar Laserjet-Drucker wurden nach Angaben der Forscher von den Ermittlern der Unterhaltungsindustrie verwarnt.

Das Ausforschen von Urheberrechtsverletzungen in Filesharing-Netzwerken durch Ermittler der Unterhaltungsindustrie ist oft ungenau und wenig transparent. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Donnerstag veröffentlichte Studie von Wissenschaftlern der Universität Washington.

Die Forscher untersuchten im August 2007 und im Mai 2008, wer an BitTorrent-Netzwerken teilnimmt und welche Inhalte dort getauscht werden. Um den Verkehr in den Filesharing-Netzwerken zu messen, setzten sie Software-Agenten ein. Obwohl sich diese nicht am Up- und Download von Files beteiligten, erhielten sie rund 400 Verwarnungen wegen Urheberrechtsverletzungen.

Verwarnter Drucker

Selbst drei Laserjet-Drucker, die in das Setting einbezogen wurden, erhielten Abmahnungen von Rechteinhabern. Sie wurden beschuldigt, Kopien der Hollywood-Blockbuster "Iron Man" und "Indiana Jones" heruntergeladen zu haben, berichtete die "New York Times" ["NYT"].

Es sei sehr einfach, IP-Adressen zu manipulieren, heißt es in der Studie. Potenziell könnte so jeder Internet-Nutzer Ziel einer Abmahnung durch die Industriegruppen werden.

"Ungenaue Erhebungen"

Die Wissenschaftler warfen den Ermittlern der Unterhaltungsindustrie ungenaue Erhebungen vor. Oft würden lediglich die IP-Adressen der Teilnehmer festgestellt, ohne zu überprüfen, ob auch tatsächlich Files getauscht wurden.

Mehr Transparenz gefordert

Die Studie habe gezeigt, dass die Untersuchungen der Unterhaltungsindustrieverbände mangelhaft seien, sagte Tadayoshi Kohno, Assistenzprofessor an der Universität Washington, der "NYT".

Er schloss auch weitere Fehler beim Aufspüren mutmaßlicher Urheberrechtsvergehen nicht aus und forderte von der Unterhaltungsindustrie mehr Transparenz bei ihrem Vorgehen gegen Urheberrechtsverletzungen in Filesharing-Netzwerken.

Hunderte Abmahnungen pro Woche

Die US-Industrieverbände Motion Picture Association of America [MPAA], Entereintmaint Software Association [ESA.] und Recording Industry Association of America [RIAA] schicken jede Woche Hunderte von Abmahnungen an US-Internet-Nutzer.

Dabei geraten vor allem Studenten ins Fadenkreuz der Unterhaltungsindustrie. Dabei wird ihnen angeboten, eine drohende Klage wegen Urheberrechtsverletzungen gegen eine Vergleichszahlung zu vermeiden. Angesichts hoher Prozesskosten und Schadenersatzforderungen einigen sich viele Studenten außergerichtlich mit der Unterhaltungsindustrie.

Im Kampf gegen Urheberrechtsverletzungen im Netz unterlaufen den Dienstleistern der Unterhaltungsindustrie auch andere Irrtümer: Der Firma Media Defender wird vorgeworfen, vor rund zwei Wochen die Server des Internet-TV-Senders Revision3 abgeschossen zu haben. Das FBI ermittelt.