Auch Deutsche Bahn beauftragte Spitzel

im sumpf
03.06.2008

Auch die Deutsche Bahn AG hat laut einem Pressebericht Aufträge an die Firma vergeben, die für die Deutsche Telekom Aufsichtsräte und Journalisten ausspähte.

Ein Bahn-Sprecher bestätigte dem "Handelsblatt" [Dienstag-Ausgabe], dass es eine Geschäftsbeziehung zwischen der Bahn und der Network Deutschland GmbH gab.

Er betonte jedoch, dass es "keine unzulässige Überwachung von Mitarbeitern oder externen Personen" gebe. "Im Rahmen unserer Korruptionsbekämpfung, die wir seit Jahren streng durchführen, haben wir in Einzelfällen im Rahmen des rechtlich Zulässigen auch externen Sachverstand in Anspruch genommen", sagte der Sprecher weiter.

Es gebe aber "keinen zweiten Fall Telekom", sagte der Anti-Korruptionsbeauftragte der Bahn, Wolfgang Schaupensteiner am Dienstag. Bei den Aufträgen mit einem Gesamtvolumen 800 000 Euro sei es einzig um die Bekämpfung von Korruption und Wirtschaftskriminalität gegangen. Für ein Überschreiten gesetzlicher Grenzen gebe es keinerlei Anhaltspunkte.

Spionage zugegeben

Die Deutsche Telekom hatte eingeräumt, dass 2005 und 2006 mindestens ein Jahr lang Telefondaten ausspioniert wurden. Ziel der Spionage sollen Aufsichtsräte und Journalisten gewesen sein. Laut "Süddeutscher Zeitung" wurden außerdem Bankdaten von Journalisten und Aufsichtsräten ausgespäht.

Telefon-, Bank-, Steuerdaten im Visier

Wie das "Handelsblatt" unter Berufung auf einen Subunternehmer der Network Deutschland GmbH berichtete, gleichen einander die Arbeiten für Deutsche Telekom und Bahn bis ins Detail. "Es ging um die Ausforschung von Telefonverbindungen, Bankdaten und die komplette Durchleuchtung von Zielpersonen", sagte der Computerexperte.

Sogar Steuererklärungen seien beschafft worden. Ziele seien dabei Mitarbeiter der Bahn und Personen im Umfeld des Konzerns gewesen.

Zahlungen noch im Mai

Der Ex-Chef der Deutschen Telekom, Kai-Uwe Ricke, hatte vor kurzem zugegeben, den Auftrag zur Suche nach der Quelle von Indiskretionen gegeben zu haben.

Er und der einstige Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel haben sich laut Presseinformationen in der Spitzelaffäre fortlaufend über die Arbeit ihrer Konzernsicherheit informieren lassen. Noch im Mai wurden Rechnungen für die Dienste bezahlt.

(AFP)