Mars offline

31.05.2008

Bei der NASA ist Outsourcing groß in Mode. Das beweist das Handbuch für die Marssonde "Phoenix", das Harald Taglinger aufgestöbert hat. Die US-Weltraumorganisation hat sich die Inspiration dazu einfach aus dem Internet geholt.

Die "Phoenix" ist hervorragend auf dem Mars gelandet, sendet scharfe Bilder vom Mars und kann sogar den eigenen Arm ausfahren. Das war nur möglich dank eines neu erstellten Ultrakurz-Handbuchs, das die NASA seit neuestem mit der Hilfe des Internets für solche Missionen einsetzt. Die Fachwelt ist begeistert. Wir drucken Auszüge.

Seite 8 – "1.1 Introduction"

1. Dies ist ein Handbuch der NASA, die Weiterverbreitung ist ohne vorherige Genehmigung nicht gestattet. Sollte das niemand genehmigen können, dann ist der Nutzer nicht von hier.

2. Sollte es weiteres intelligentes Leben auch auf dem Mars geben, dann tritt automatisch Punkt 1 von 1.1 in Kraft. Aber nur an Dienstagen.

Seite 234 – "1.2 Goal"

Das Ziel der Mission ist der Mars. Dazu haben wir eine Menge an Unterlagen im Internet gefunden. Das eigene Material ist nicht so gut. Kann man den Kindern zum Spielen geben.

Seite 422 – "1.2 Goal" [letzte Seite]

Die Marssonde heißt "Mrs-it" und ist in hellem Weiß-Grün mit Spiegelschrift gehalten. Sie sollte nicht in sauerstoffarmen Gebieten genutzt werden. Achtung: Falschparker werden in Nordamerika abgeschleppt.

Seite 422 – "1.3 Security Disclaimer"

Diese Sonde wehrt sich hin und wieder nach Abstimmung der Bordcomputer dagegen, von der NASA abgehört zu werden. Das macht nichts, wir können sie mit unseren technischen Sondereinrichtungen simulieren. Das ist auch lustig. Ach ja: Die "Phoenix" darf auf dem Mars nicht kopiert oder nachgemalt werden. Schon gar nicht in Grün.

Seite 424 – "2.1 On our way"

Navigation ist lustig. Außerdem sollen alle mitmachen, der Mars ist ja auch fast nicht zu verfehlen. Deshalb haben wir ein Tool aus dem Straßenverkehr genommen und es mit den beliebtesten Ausflugsrouten von MSN-Kunden gemischt. 99 Prozent der Digg-Votes haben dafür gestimmt, auf den Planeten mit den Ringen zu zielen. Gute Idee.

Zusätzlich sieht die Sonde auch, wo sie hinfliegen muss und wann Auf-die-Bremse-Drücken angesagt ist. Klappt immer. Wenn allerdings Zweifel aufkommen sollten, dann hat Google freundlicherweise einen Rückweg ins Internetgestellt. Und Yahoo hilft uns, diesen Rückweg auch dann aufrufbar zu machen, wenn die Sonde keinen Internet-Provider auf dem Mars finden sollte. Kann ja sein. Wissen wir nicht, deshalb fliegen wir ja hoch. Meint meine Frau. Also.

Seite 2311a – "7.1.1.2.2 Out of scope"

A) Der Greifarm der "Phoenix" kann mit Ctrl+D ausgefahren werden. Für das Einfahren ist kein Shortcut vorgesehen. Stand nicht in den Specs, sagen die Programmierer. Klar, sagt meine Frau. Also.

B) Die Upload-Funktion für Begrüßung von Lebewesen kommt mit Version 3.4 auf den Markt.

C) Die Wasserzeichen in den übertragenen Aufnahmen sollten weggehen, sobald jemand die 30 US-Dollar für die Shareware-Gebühr der Kamerasoftware zahlt. Der Manager hat das vergessen, war golfen.

(Harald Taglinger)