Das kriegst du noch für 75 Dollar
Der Sozialbeauftragte der IT-Industrie kann dem Vorstoß von Nicholas Negroponte, die nächste Generation des "100-Dollar-Laptops" bereits für 75 Dollar anbieten zu wollen, wenig abgewinnen.
"Danke, Nicholas Negroponte", mögen sich die Manager von Intel, Microsoft und HP sagen. "Wegen dir, du Pappnase, sind 100 Dollar nicht einmal mehr 75 wert." Denn der vergangene Woche vorgestellte Nachfolger des "100-Dollar-Laptops" hilft den Armen derzeit wenig. Das ist ja alles noch Prototypen-Zukunftsmusik, aber er verarmt die IT-Industrie. Denn die Richtung ist klar: Das Geldverdienen mit Soft- und Hardware hat ein Ende. So schön es war.
In den Straßen von Seattle sind bereits die ersten Programmierer gesehen worden, die für ein paar Münzen wahlweise singen oder Downloads bereitstellen.
Selbst was früher noch teuer bei Agenturen eingekauft werden musste, wirft Google heute kostenlos unter das Volk. Und das ist erst der Anfang. Das große Fressen hat begonnen. Inzwischen geben einzelne Firmen nicht einmal mehr kostenlos ihre Leistungen ab, sie zahlen für die Nutzung der Services. Das ist fast so, als würde einem der Bäcker die Brötchen noch mit kostenlosem Schinken und Gürkchen belegen, und dann schickt er einen lächelnd ohne Bezahlen vor die Türe. Als Kunde kann man sich da schon einsam fühlen. Aber in der IT wird das die Zukunft sein.
Danke also, Nicholas Negroponte. Statt Wasserquellen für Afrika zu buddeln, gräbst Du Deiner eigenen Branche das Wasser ab. Wie soll sie denn jetzt noch Photoshop und Word zu einem Preis verkaufen, der 1.000 Prozent über dem gefühlten liegt.
[Hintergrundbild wechselt zu neuem Bildwww.boingboing.net/2008/05/19/fying-penis-disrupts.html)] //
Aber tun wir doch nicht so, als wäre es nur wegen Microsoft und ihrer Verzweiflung, nicht auf dem Internet-Markt landen zu können, wegen Negro-was-weiß-ich und anderen Idealisten so schwierig mit der IT geworden. Schrecklich, aber wahr: Es gibt seit ein paar Wochen wieder eine Welt, die außerhalb von Computern stattfindet, und die wird zunehmend teurer.
Inzwischen kann man für 100 Dollar nicht einmal mehr vom Südpol nach Alaska fahren. Die Spritpreise ziehen auch in den USA an. Gut, nicht südöstlich von Tulsa, aber sonst ordentlich. Für ein Fass leichtes Erdöl bekommt man Stand diese Woche fast zwei Computer für die Dritte Welt. Meine lieben Freunde des leichten Erdöls, um es mit Häuptling Seattle zu sagen: Erst wenn der zweite Laptop in der Tasche nicht mehr anspringt, werdet ihr sehen, dass man Erdöl nicht downloaden kann.
Schönen - guten - Abend.
[Ernster Herr starrt leer in die Kamera. Abblende. Es folgt das Wort zum Sonntag.]
(Harald Taglinger)
