Computer erkennt Blockbuster
Während Kassenküller wie "Herr der Ringe" und "Titanic" Millionen Besucher weltweit in die Kinos locken und weit über eine Milliarde US-Dollar lukrieren, schaffen es andere nicht einmal, ihre Produktionskosten wieder hereinzuholen.
Die schwächelnde Filmindustrie beklagt gerade in diesem Jahr besonders schlechte Einnahmen aus Verkauf und Verleih und auch die Kinobetreiber wollen mit Neuerungen wie dem Digital- und 3-D-Kino wieder mehr Zuseher in ihre Säle holen.
Doch was macht einen Blockbuster aus? Ein US-Wissenschaftler will nun einen Weg gefunden haben, Kinofilme schon vor ihrer Produktion auf ihr "Kassenknüller-Potenzial" zu überprüfen.
$$$-Ranking: Die erfolgreichsten Filme
Die Internet Movie Database listet die erfolgreichsten
Kassenknüller aller Zeiten. An der Spitze steht "Titanic", es folgen
"Herr der Ringe", "Harry Potter" und "Star Wars". Rang sechs belegt
"Jurassic Park", Platz sieben "Shrek 2".
Imdb.com: All-Time Worldwide BoxofficeKonkurrenz, Altersfreigabe & Effekte
"Wir versuchen den Erfolg eines Films anhand von Faktoren, die vor der Produktion entschieden werden, vorherzusagen," so Ramesh Sharda von der Oklahoma State Universität.
Eine neue Software soll Filmtitel mit Hilfe von sieben Kriterien durchleuchten und daraus den zu erwartenden Kinoerfolg ablesen können.
Dazu gehören etwa die Altersfreigabe, eventuelle Konkurrenz durch gleichzeitig erscheinende Filme, die Besetzung, das Genre und die eingesetzten Special-Effects. Auch ob der Film eine Fortsetzung ist und wie viele Kinos ihn voraussichtlich spielen werden, wird berücksichtigt.
"Flop" oder "Blockbuster"?
Ein so genanntes neuronales Netzwerk verarbeitet all diese Daten und ordnet sie schließlich der jeweiligen Kategorie - von "Flop" mit weniger als einer Million US-Dollar erwarteter Einnahmen bis "Blockbuster" mit erwarteter Einnahmen in Höhe von mehr als 200 Millionen US-Dollar - zu.
Anfang des kommenden Jahres will der Forscher seine Ergebnisse im Fachjournal "Expert Systems With Applications" veröffentlichen.
Forecasting Box Office Receipts Using Neural NetworksIn einem Drittel der Fälle richtig
Sharda hat bereits sieben Jahre Entwicklungszeit in das Programm investiert und über 800 Filme analysiert.
Diese Probeläufe zeigten, dass das System in 37 Prozent der Fälle dem Film die richtige Einnahmen-Kategorie zuordnete. Ein weiterer Großteil der Filmanalysen soll laut dem Forscher nur ganz knapp - eine Kategorie - daneben gelegen sein.
Sharda ist nach eigenen Angaben bereits mit einem großen Hollywood-Studio über die Weiterentwicklung und den Einsatz des Systems im Gespräch.
Kritik aus den Reihen der Filmemacher
Ob eine Software ausreicht, um den Filmgenuss anzukurbeln, bleibt
zu bezweifeln. "Für Regisseure gilt in Hollywood seit Jahren eine
simple Regel: Je infantiler dein Projekt, desto leichter bekommst du
Geld dafür. In dieser Stadt haben die dümmsten Filmemacher die
geringsten Probleme", kritisierte Roman Polanski zuletzt gegenüber
dem deutschen Magazin "Stern".
Polanski im "Stern"
