07.12.2005

DEUTSCHLAND

Großverfahren gegen Software-Piraten

In dem bisher weltweit spektakulärsten Verfahren wegen des Vertriebs von Raubkopien im Internet hat die Staatsanwaltschaft im thüringischen Mühlhausen Anklage gegen vier Tatverdächtige erhoben.

Den Männern im Alter von 21 bis 47 Jahren wird vorgeworfen, von Juni 2003 bis September 2004 illegal Kinofilme, Computerspiele, Musik und Anwendersoftware an etwa 15.000 zahlende Abnehmer vertrieben zu haben, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte.

Mit den Raubkopien sollen die Beschuldigten rund 700.000 Euro kassiert haben. Die Angeklagten haben die Vorwürfe nur zum Teil eingeräumt.

"Weltweit größter Fall"

Im August 2004 wurden über die Website insgesamt mehr als 320 Filmtitel sowie 100 MP3-Audiodateien, 86 Computerspiele und 29 Anwenderprogramme vertrieben. Durch anonyme Nutzer erhielt die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen [GVU] im Juli 2003 erste Hinweise und erstattete kurz darauf Strafanzeige.

Bei der Durchsuchung von Wohnungen und Geschäftsräumen in Thüringen und Bayern wurde umfangreiches Beweismaterial, darunter Rechner und Aktenordner, beschlagnahmt. Die Beamten fanden zudem rund 380.000 Euro in bar. Die GVU sprach damals vom "weltweit größten Fall" des Verkaufs illegaler Downloads im Internet.

Verfahren gegen ehemalige Kunden

Gegen zahlreiche Kunden der Raubkopierer wurden inzwischen ebenfalls Verfahren eingeleitet. Ein Teil wurde inzwischen wegen geringer Bestellsummen wieder eingestellt.