Ciscos Weg in die Wohnzimmer
Der weltgrößte Netzwerk-Ausrüster Cisco stößt mit einer Milliardenübernahme nun auch in die Unterhaltungselektronik vorstoßen. Das US-Unternehmen kündigte am Freitag den Kauf der auf TV-Set-Top-Boxen spezialisierten Firma Scientific-Atlanta für knapp sieben Milliarden Dollar (5,99 Mrd. Euro) an.
Ohne Berücksichtigung der Barmittelbestände von Scientific-Atlanta beträgt der Kaufpreis 5,3 Mrd. Dollar, wie Cisco mitteilte. Die Führungsgremien beider US-Firmen hätten dem Geschäft zugestimmt, das im Frühjahr 2006 abgeschlossen sein soll.
Cisco zahlt 43 Dollar pro Scientific-Atlanta-Aktie, was einem Aufschlag von 3,7 Prozent auf den Schlusskurs vom Donnerstag entspricht.
Über die auf Endkunden spezialisierte Tochter Linksys hatte sich der kalifornische Netzwerkausrüster im Juli den dänischen DVD-Player-Spezialisten Kiss Technology geangelt. Kiss stellt DVD-Player und -Rekorder her, die ans Internet angeschlossen werden und den User so mit Video-on-Demand-Angeboten [VoD] versorgen können.
Die Übernahme von KissDigitalempfänger für Kabel-TV
Die Übernahme ist Teil der Strategie von Cisco, mit neuen Geschäftsfeldern und Technologien das Umsatzwachstum anzukurbeln und den Aktienkurs zu stützen. So hat das früher vor allem auf Geschäftskunden ausgerichtete Unternehmen bereits durch andere Übernahmen wie die des Netzwerkspezialisten Linksys zunehmend auch Privatanwender anvisiert.
Scientific-Atlanta dominiert zusammen mit Motorola den Markt für Digitalempfänger für Kabelfernseher, so genannte Set-Top-Boxen. "Cisco ist dabei, den Bereich für die nächste Wachstumsphase auszumachen", sagte Sanford-Bernstein-Analyst Paul Sagawa. Damit trete das Unternehmen jüngsten Investoren-Befürchtungen entgegen.
Scientific-Aktien waren in den vergangenen Monaten wegen Übernahme-Spekulationen bereits um 26 Prozent gestiegen. Am Freitag legten sie kurz nach Börsenbeginn um fast 1,4 Prozent, während Cisco-Titel um gut 1,7 Prozent nachgaben.
