Amazon hat Patent auf Buchkritiken
Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass sich viele Nutzer vor einem Kauf im Netz informieren - egal, ob sie das Produkt dann auch online kaufen oder nicht.
Gerade Amazon legt viel Wert auf die Bewertungen seiner Nutzer, was auch das jüngst zugesicherte US-Patent mit der Nummer 6.963.848 belegt: Bereits im März 2000 eingereicht und am 8. November vom US-Patentamt genehmigt, hat sich Amazon damit das Einholen solche User-Kritiken auf dem elektronischen Weg patentieren lassen.
Dabei geht es um das zeitlich versetzte [damit genug Zeit zum Testen und Bewerten bleibt] Verschicken von E-Mails, die Amazon-Käufer auffordern sollen, Bewertungen zu den von ihnen gekauften Produkten wie Büchern, aber auch Videos und Autos [!]abzugeben. Diese Bewertungen sollen zudem auch als Basis für weitere Kaufempfehlungen genutzt werden.
Das US-Patent Nr. 6.963.848Dass die Bewertungen bei Amazon wichtig sind, zeigt ein besonders peinlicher Vorfall: Durch eine Computerpanne flog Anfang letzten Jahres auf, dass eine Reihe von Autoren sich bei Amazon eigene "Leserkritiken" geschrieben hatten.
Autoren loben eigene Bücher bei AmazonPatent-Ärger für die Konkurrenz
Doch nicht nur Amazon nutzt solche User-Bewertungen, auch Google, Yahoo und MSN werben um und verwenden diesen Nutzer-generierten Content etwa für ihre lokale Suche [Wie war das Essen in diesem und jenem Lokal?]
Ein weiteres zugesichertes Patent könnte andere Online-Anbieter zusätzlich in Bedrängnis bringen: Patent 6.963.850 beschreibt "Computer-Services, die Nutzern beim Auffinden und Evaluieren von Dingen in einem elektronischen Katalog, basierend auf Aktionen von Mitgliedern bestimmter Nutzer-Gemeinschaften, helfen".
Amazons Kaufempfehlungen
Übersetzt heißt das: Gemeinschaften müssen keine[können aber] bewusst formierten Gruppen sein, sondern werden von Amazon etwa an ihrer E-Mail-Adresse [nasa.com], der Lieferadresse oder anhand anderer persönlicher Daten "identifiziert".
Mit Hilfe der gespeicherten Einkaufslisten kann das System dann unter anderem für die Mitglieder einer solchen Gemeinschaft automatische Empfehlungen ausstellen, wie zum Beispiel von dieser Gruppe am meisten gekauften Bücher - ein Feature, das bei Amazon bereits intensiv genutzt wird.
Das US-Patent Nr. 6.963.850Das dritte Patent bezieht sich auf die Suche von Produkten über verschieden Kategorien hinweg, wie zum Beispiel alle Bücher und Filme mit oder von Charlie Chaplin.
Das US-Patent Nr. 6.963.867Weit reichende Möglichkeiten
Vor allem das erste Patent aber, jenes über die Kritiken, könnte die Konkurrenz unter Druck setzen. Auch Yahoo Shopping etwa nutzt das zeitlich versetzte Versenden von E-Mails, um Bewertungen von seinen Kunden einzuholen, berichtet InternetNews.
Zudem betrifft das Patent nicht nur die Bewertungen selber, sondern auch Web-Formulare für die Abgabe solcher Kritiken und das Versenden spezieller Links, um nachzuverfolgen, wer eine Kritik abgegeben hat.
Amazon-Sprecher Craig Berman wollte gegenüber InternetNews keine Spekulation darüber abgeben, ob der Online-Händler seine Patente an andere Anbieter lizenzieren will.
In der Vergangenheit haben Amazons Anwälte aber bereits Patente des Online-Händlers wie zum Beispiel das über den "One-Click-Buy" verteidigt.
Datenschützern ist Amazon mit seinen diversen Patenten und den daraus resultierenden Datensammlungen schon seit längerem ein Dorn im Auge. So hat Amazon etwa auch das Patent darauf, nachzuverfolgen, wer wem was schenkt.
Amazon erneut unter Datenschutz-Kritik
