Vom Filmspiel zum Spielfilm
Der Film "Tron" aus dem Jahr 1982 ist ein früher Beleg dafür, dass Hollywood gerne Anleihen bei der Ästhetik von Computerspielen nimmt.
Ein weiteres, ganz aktuelles Beispiel ist die Verfilmung des legendären Ego-Shooters "Doom", der soeben in den Kinos angelaufen ist.
2007 soll auch eine Verfilmung der Videospiel-Reihe "Halo" ins Kino kommen, für die Microsoft den Schriftsteller Alex Garland ["The Beach", "28 Days Later"] als Drehbuchautor und "Herr der Ringe"-Regisseur Peter Jackson als Produzent verpflichtet hat. Als Regisseur im Gespräch ist Ridley Scott.
Doom - Der FilmLara Croft als Vorreiterin
Dass aus einem erfolgreichen Game auch ein erfolgreicher Film werden kann, hat Lara Croft, Action-Heldin aus der Computerspiel-Reihe "Tomb Raider", schon vor Jahren bewiesen.
Entwickelt wurde die Figur der Lara Croft 1996 von der englischen Computerspielefirma Eidos. Deren Gründer Ian Livingston kennt auch den Grund, warum Filmindustrie und Gameindustrie seit ein paar Jahren immer enger aneinanderrücken und wechselseitig auf ihre Stoffe und Markennamen zurückgreifen.
Finanzielle Risiken reduzieren
Ian Livingston: "Diese Entwicklung passiert, weil man Risiken
minimieren möchte. Die Produktion von Games wird immer aufwendiger
und teurer und die von Filmen auch. Man möchte das finanzielle
Risiko reduzieren und setzt daher auf Produkte und Stoffe, für die
es bereits einen Markt gibt. Man muss sich vorstellen: Die
Produktion eines Games verschlingt mehr als fünf Millionen Pfund,
dauert mehr als zwei Jahre und mehr als 100 Leute sind an der
Entwicklung des Spiels beteiligt - ein ziemlicher Alptraum. Wenn man
als Spielehersteller dabei die Risiken reduzieren kann, dann macht
man es natürlich."
Tomb Raider [Game]
Tomb Raider [Film]"Cinematographische Games"
Neben Verfilmungen von Computerspielen und Games, die als eine Art Merchandising-Maßnahme zu besonders großen Filmproduktionen auf den Markt kommen, gibt es auch Games, die nicht direkt auf Filmstoffe zurückgreifen, sich aber dennoch sehr an Filmen orientieren.
Dazu zählen etwa die Games der "The Getaway"-Reihe. Für sie wurde der Stadtkern von London penibel photorealistisch nachgebaut und beim Inhalt ausgiebig beim Genre der britischen Gangster-Filme Anleihen genommen.
Drehbuchautorin für "The Getaway"
Für das "Drehbuch" von "The Getaway 2 - Black Monday" war Katie
Ellwood verantwortlich, die zuvor bereits Erfahrung als
Drehbuchautorin für Film und Theater gesammelt hatte. Als "Narrative
Producer" ist sie beim "Team Soho" von Sony dafür zuständig, den
einzelnen Charakteren möglichst viel emotionale und psychologische
Tiefe zu geben.
The Getaway 2 - Black Monday"The Movies"
Dass sich Film und Computerspiel auf innovative und höchst originelle Art und Weise miteinander verbinden lassen, beweist auch das neueste Game von Peter Molyneux, der vor allem mit seinem Godgame "Black & White" bekannt geworden ist:
Der Engländer macht den Spieler in seinem übernächste Woche erscheinenden Game "The Movies" kurzerhand zum Leiter einer Filmproduktionsfirma.
Als formale Vorbilder sind Filme für Peter Molyneux nicht nur im Zusammenhang mit "The Movies" von Bedeutung; sie sind als ästhetische und atmosphärische Referenzpunkte generell wichtig für ihn in seiner Arbeit.
Fernsehserien als Vorbild
Peter Molyneux sieht allerdings nicht nur Kinofilme, sondern in immer stärkerem Ausmaß auch Fernsehserien als Vorbild.
"Ich denke, dass Fernsehserien und Computerspiele eine Reihe von Ähnlichkeiten aufweisen. Serien wie 'Desperate Housewives', 'Lost', 'Six Feet Under' und '24' sind von den Handlungsbögen, die sich über 26 Episoden oder ca. 20 Stunden entwickeln mit Games vergleichbar, die auch eine Spieldauer von 15-20 Stunden haben", so Molyneux.
The Movies"Matrix" heute um 22:30 Uhr auf Ö1
Mehr über "The Movies" sowie Interviews mit Peter Molyneux, Katie
Ellwood und Ian Livingston hören Sie heute Abend in der Sendung
"Matrix", für die sich Richard Brem an die immer zahlreicher
werdenden Schnittstellen von Computerspiel und Film begeben hat.
Matrix"Matrix" für Ö1-Club-Mitglieder
Ab Sonntag, 22.30 Uhr, steht "Matrix - Computer & Neue Medien"
für Ö1-Club-Mitglieder auch zum Download bereit.
"Matrix" zum Download
