Die Wirkung von Commons & Community
Was führt digitale Gemeinschaften zusammen und was behindert ihre Entwicklung? Wie verändern digitale Tools kulturelle Handlungskompetenzen und soziale Spielräume?
Mit diesen Fragen beschäftigt sich eine zweitägige Konferenz am 5. und 6. September im Linzer Brucknerhaus, jeweils von 10:30 bis 13:30 Uhr, die von den matrix-Redakteurinnen Ina Zwerger und Sonja Bettel moderiert werden. Präsentiert werden die Gewinner der Goldenen Nica 2005 in den Kategorien "Netvision" und "Digital Communities".
"Commons & Community" rückt die Vision eines demokratischen, offenen Netzes in den Vordergrund. Physisch betrachtet besteht das Netz aus Kabeln, Funkstrecken, Router und Satelliten. Die materielle Infrastruktur ist selten Allgemeingut, der Zugang ist meist kostenpflichtig.
Dennoch wird das Internet als frei benutzbarer Informations- und Kommunikationsraum erlebt, nicht zuletzt deshalb, weil riesige Mengen an Information und Wissen frei verfügbar sind, und weil Internet-Standards niemandem gehören, also "digital Commons" sind, wie auch freie Programme und quelloffene Software.
Forum IV NetvisionDie Freiheit des Codes
Thematisiert wird die subversive Kraft von digitalen Tools, wie Processing [Siegerprojekt in der Kategorie Netvision] oder BitTorrent, einem Tauschprogramm, das mittlerweile den Großteil des P2P-Datenverkehrs verursacht.
Wie relevant ist die Freiheit der Codes für soziale Innovationen? Warum ist es wichtig, Software nicht nur als neutrale Werkzeuge zu begreifen, sondern als Ausdruck kultureller Werte und sozialer Beziehungen, die uns einerseits prägen und die wir andererseits aber auch formen können? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Expertenrunde am Montag, dem 5. September.
Die Teilnehmer der Diskussionsrunde sind:
- Karel Dudesek, Professor am Ravensbourne College of Design and Communication in London
- Ben Fry und Casey Reas, die Initiatoren von Processing, einer freien Software, die heuer im Rahmen des Prix Ars Electronica mit einer Goldenen Nica ausgezeichnet wurde
- Mathew Fuller, Course Director of the MA "media design am Piet Zwart Institute in Rotterdam. In seinem Buch "Behind the Blip" beschreibt er, welchen Einfluss Software auf unsere Kultur hat
- Ashwin Navin, Chief Operating Officer der File-Sharing Software "BitTorrent"
- Bernd Lutterbeck, Professor für Informationsrecht an der Technischen Universität Berlin und Herausgeber des "Open Source Jahrbuch"
- Pablo Machon, Aktivist der Free Software Foundation Europe aus Madrid.
Digitale Gemeinschaften
Vernetzung basiert zwar auf Leitungen und braucht Werkzeuge, der Motor sind aber soziale, kulturelle und politische Bedürfnisse und Interessen. Welche Bedürfnisse und Interessen treiben digitale Gemeinschaften an?
Von Akshaya [Siegerprojekt aus Indien], das in Kerala Zugang zur IT-Infrastruktur schafft, bis zur Free Software Foundation: So unterschiedlich die Beweggründe zur Vernetzung sind, gemeinsam ist ihnen die Vision einer lebendigen Netzkultur abseits profitorientierter Interessen.
Diskutiert wird die Bedeutung der "Digital Communities" für die öffentliche Meinungsbildung und ihr Beitrag zur Kommunikationskultur.
Die Teilnehmer der Expertenrunde am Dienstag, dem 6. September sind:
- Tim Erickson von der Internet-Plattform "e-democracy.org" [USA]
- Roman Bleichenbacher, Initiator von "Codecheck", einer Community für Konsumenteninformationen [CH]
- Markus Beckedahl, Weblogger von "netzpolitik.org" [D]
- Franz Schmidbauer, Richter und Betreiber der Website "internet4jurists.at" [A]
- Donatella della Ratta, Journalistin und Medienexpertin [I]
Matrix am SO, 11.9., 22:30
Zu hören sind Ausschnitte aus den
Diskussionen rund um "Commons & Community
-Social Life in the Digital Age" in matrix, 11.9., 22:30 Uhr, Ö1.
