GPS-Milch und RFID-Pullover
Rund 3000 Einreichungen aus 71 Ländern gab es heuer für den Prix Ars Electronica, der bereits zum 19. Mal vergeben wird. Die Einreichungen für einen der renommiertesten Preise der elektronischen Kunst zeigen auf, wie es derzeit um das Genre steht und wohin sich die Szene entwickelt.
Prix Ars Electronica 2005Unterwegs mit GPS und PDA
Bereits im Jahr 2003 wurde die Gruppe "Blast Theory" für ihr interaktives Projekt "Can you see me now?" mit einer Goldenen Nica ausgezeichnet, in dem eine reale und virtuelle Verfolgsjagd mittels Global Positioning System GPS, Mobiltelefonen, PDAs und Internet durchgespielt wurde.
Heuer gab es bereits 50 Einreichungen, die mithilfe von "location based services" virtuelle Informationen im realen Raum deponierten oder den realen Raum virtuell abbildeten. Die Entscheidung in der Kategorie Interaktive Kunst war deshalb nicht leicht. Die Jury entschied sich schließlich für das "Milk Project" von Esther Polak, Ieva Auzina und dem Riga Center for New Media Culture, bei dem mittels GPS, Bildern und Tönen der Handelsweg von Milch von Lettland in die Niederlande verfolgt wird
Can You See Me NowDer Pullover erzählt Geschichten
Wie man die als Überwachungsinstrument verdächtigte Technologie RFID auf "freundliche" Weise einsetzen kann, zeigt der Gewinner von "the next idea". Martin Mairinger aus Linz hat diese Kunst- und Technologiestipendium für seine Idee "USED Clothing" gewonnen.
Dafür soll in jedes Kleidungsstück ein Funk-Chip eingenäht werden, auf dem der Träger Informationen über sich speichern kann. Wer die Kleidung in einem speziellen Second-Hand-Shop kauft, kann per Internet auf diese Daten zugreifen und so ihre Vorgeschichte erfahren.
Next IdeaWenn jeder zum Medienkünstler wird
Bei den dreitätigen Sitzungen der sieben Jurys für die einzelnen Kategorien beklagten viele Juroren, dass sie großartige neue Ideen unter den Einreichungen vermissen würden. Die Arbeiten seien zwar durchwegs von guter Qualität, vieles erwecke jedoch den Eindruck, schon einmal dagewesen zu sein.
Für Naut Humon, Soundkünstler und Musikproduzent aus San Francisco, Pionier der Elektroakkustik und seit vielen Jahren in der Prix-Jury für digitale Musik, ist das nicht verwunderlich, denn die elektronische Kunst stehe an einem Wendepunkt. 1979, als die Ars Electronica gegründet wurde, sei die Digitale Technik noch neu und aufregend gewesen und nur von einer Elite benützt worden. Heute, wo Computer, Internet, Videokameras oder Studioprogramme für Musik für eine breite Masse leistbar seien, merke man eine gewisse Sättigung. Die Künstler seien deshalb gefordert, zur Substanz zurückzukehren und eine neue Formensprache zu finden.
Alles mit allem
Die Hybridkultur - also das Vermischen verschiedenster Medien und Darstellungsformen, könnte diese neue Formensprache entwickeln, meint Naut Humon. Ein Zeichen dafür sei zum Beispiel, dass in der Kategorie "Digital Musics" immer öfter Werke eingereicht würden, die Sound und Video miteinander verbinden.
"Hybrid - living in paradox" ist demgemäß auch das Thema der heurigen Ars Electronica, die von 1. bis 6. September in Linz stattfinden wird, bei der auch die Sieger-Projekte des heurigen Prix Ars Electronica 2005 gezeigt werden.
Hybrid - living in paradoxPrix-Preisträger live
Bei den "Prix Foren" gibt es Gelegenheit, mit den Preisträgern über ihre Arbeiten und die Trends ihres Faches zu diskutieren. In den Prix Foren am Montag den 5. September geht es bei "Net Vision" um die Vision eines demokratischen offenen Netzes und die Freiheit der Codes, am Dienstag in "Digital Communities" um die Antriebskräfte digitaler Gemeinschaften.
Diese beiden Foren stehen unter dem Motto "Commons & Communities - Social Life in the digital age" und werden in Kooperation mit der Ö1-Sendung "matrix" veranstaltet, Moderatorinnen sind Ina Zwerger und Sonja Bettel. Eine Zusammenfassung der beiden Foren ist am Sonntag, den 11.9., um 22.30 Uhr in matrix zu hören.
Commons&CommunitiesDie Gewinner des Prix Ars Electronica
wurden im April von 36 Juroren ermittelt.
Drei Tage lang haben internationale
Experten aus den Bereichen Kunst, Medien,
Wirtschaft und Wissenschaft aus tausenden
Einreichungen die besten Projekte und
Arbeiten ausgewählt. Welche Trends lassen
sich aus den eingereichten Arbeiten
herauslesen und wie kommen die Juroren und
Jurorinnen zu ihren Entscheidungen? Sonja
Bettel war für matrix "backstage" dabei
