Wissensindustrie ist Ars-Thema 2008
Das Linzer Computerkunstfestival Ars Electronica setzt sich unter dem Motto "A New Cultural Economy" von 4. bis 9. September damit auseinander, wie das vielgepriesene geistige Eigentum an seine Grenzen stößt.
Der künstlerische Leiter des Linzer Festivals Ars Electronica, Gerfried Stocker, hat am Donnerstag das Konzept der diesjährigen Veranstaltung vorgestellt.
Künstler, "Netzwerknomaden", Theoretiker, Rechtsgelehrte und Wissenschaftler werden sich in den Ausstellungen und einem vom japanischen Internet-Experten Joi Ito geleiteten Symposion mit diesen neuen Realitäten der Informationsgesellschaft beschäftigen. Denn die Vertriebsindustrie kämpft zwar etwa im Musikbereich "für alte rechtliche Schutzinstrumente", indem gerichtlich gegen die Verbreitung unlizenzierter Kopien vorgegangen wird.
Patente auf Leben
Auch in der Pharmaindustrie und der Biotechnologie soll mit Patenten auf genetische Codes, Saatgut und Lebewesen Geld gemacht werden. Aber "die gängige Vorstellung von Besitz passt nicht mehr", sagte Stocker. Paradebeispiel sei Google: Wirtschaftlich höchst erfolgreich, stellt das Unternehmen dennoch all seine Produkte den Usern gratis zur Verfügung und macht sein Geld anderswo - durchaus auch auf Arten, die für Kritik sorgen.
Die Ars Electronica will nun die gängigen Vorstellungen der Wissensgesellschaft hinterfragen - denn diese sei "von verschiedenen Richtungen aus in derselben Sackgasse gelandet", so Stocker. Das Festival macht sich insbesondere auf die Fersen einer "Sharing Economy", wie sie etwa in der Wissenschaft und der Open-Source-Gemeinschaft bereits existiert. Das "funktioniert wirklich", so Stocker.
Expertenthema Urheberrecht
Insbesondere das Urheberrecht sei im wahrsten Sinne des Wortes an seine Grenzen gestoßen, so Stocker: Es sei ein "enorm hoher Aufwand" selbst innerhalb der EU notwendig, wenn man Inhalte grenzüberschreitend anbieten will.
Das Copyright sei jedoch "der gordische Knoten der Wissensgesellschaft", und dessen Neubewertung solle nicht den Juristen überlassen werden: "Wir brauchen breiten gesellschaftlichen Konsens" darüber, wie künftig mit urheberrechtlich geschützten Werken umgegangen werden soll, sagte Stocker.
Dieses Thema sei der Abschluss einer programmatischen Phase der Ars Electronica, die sich in den jüngsten Festivals auf Veränderungen in der gesellschaftlichen Realität konzentriert hat. Das neue und bei weitem vergrößerte Center soll "nach derzeitigem Stand" am 1. Jänner 2009 pünktlich zu Beginn des Linzer EU-Kulturhauptstadtjahres eröffnet werden.
(APA)
