Preisvergabe zum Gedenken an Kurt Gödel
Im Rahmen des Kurt-Gödel-Kolloquiums 2008 werden in Wien die weltweit höchsten Wissenschaftspreise für Logiker vergeben.
In Gedenken an den österreichischen Logiker und Mathematiker Kurt Gödel [1906-1978] vergibt die Wiener Kurt Gödel Society erstmals die gemeinsam mit der US-amerikanischen John Templeton Foundation ausgeschriebenen und nach eigenen Angaben "weltweit höchsten jemals für Logiker vergebenen Preise" an fünf internationale Forscher.
Die Auszeichnungen sind jeweils mit rund 100.000 Euro dotiert, wie Matthias Baaz, Generalsekretär der Gödel-Gesellschaft, am Dienstag erklärte. Die Preisverleihung nimmt Wissenschaftsminister Johannes Hahn [ÖVP] im Rahmen eines Kurt-Gödel-Kolloquiums am Sonntag in Wien vor.
Die Preisträger
Die von der Templeton-Stiftung finanzierten Logiker-Preise gehen in der Kategorie "Doktoranden" an den Prager Pavel Hrubes [Tschechische Akademie der Wissenschaften] und den Spanier David Fernandez [Stanford University]. In der Kategorie "Post Docs" erhalten die Auszeichnung der Russe Andrej Bowykin [University of Bristol] und der Kanadier Peter Koellner [Harvard University]. Als "Senior Scientist" wird der Franzose Thierry Coquand, Professor am Computing Science Department der Universität Göteborg, geehrt.
Weitere Finanzierung fraglich
Der Wettbewerb wurde unter dem Titel "Kurt Gödel Centenary Research Prize Fellowship" anlässlich des 100. Geburtstages des Mathematikers und Logikers im Jahr 2006 im Zuge einer Jubiläumskonferenz in Wien ausgeschrieben. Die Auswahl der Gewinner erfolgte durch eine internationale Jury unter Vorsitz des Logikers Harvey Friedman von der Ohio State University und unter Teilnahme des Experimentalphysikers Anton Zeilinger.
Bewertet wurden laut Baaz ein wissenschaftlicher Artikel, ein Forschungsprojekt und der Lebenslauf der Teilnehmer. Ob die Preise künftig noch einmal ausgeschrieben werden, hänge maßgeblich von der Templeton-Stiftung ab. Die in den USA ansässige Stiftung fördert Wissenschaftler durch die Vergabe von Preisen und Stipendien, vor allem wenn sich die Themen mit Religion beschäftigen.
Filmvorführung im MUMOK
Begangen wird Gödels Geburtstag zudem mit einer Filmvorführung: Gezeigt wird die 1986 für den ORF angefertigte 80-minütige Fernsehdokumentation "Kurt Gödel - Ein Mathematischer Mythos" von Peter Weibel und Werner DePauli-Schimanovich. Die Vorführung erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Wiener math.space im Auditorium des MUMOK [28. April, 19.00 Uhr, MuseumsQuartier Wien].
Flucht nach dem "Anschluss"
Gödel gilt als einer der größten Denker des vergangenen Jahrhunderts. In seinem 1931 veröffentlichten "Unvollständigkeitssatz" räumte der Wissenschaftler - vereinfacht gesagt - mit der Idee auf, dass in der Mathematik alles bewiesen werden könnte. Gödel wurde am 28. April 1906 in Brünn geboren, 1924 inskribierte er an der Universität Wien. 1938, nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, verlor Gödel, dem die Uni Wien 1933 die Dozentur verlieh, seinen Posten.
Gödel ging 1940 nach mehreren Forschungsaufenthalten - etwa in der Sowjetunion und in Japan - in die USA. Am Institute for Advanced Studies in Princeton fand er seine wissenschaftliche Heimat, hier hielt er bis an sein Lebensende Vorträge. Der Wissenschaftler starb am 14. Jänner 1978 in Princeton.
(APA)
