Ubuntu-Linux 8.04 als .exe-Datei

22.04.2008

Die neueste Version der meistverbreiteten Linux-Distribution Ubuntu lässt sich auch unter XP und Vista wie ein gewöhnliches Windows-Programm installieren. Für professionelle Anwender werden drei Jahre Support für den Desktop und fünf Jahre für die Server-Version angeboten, beide kosten nichts.

Wenn am Donnerstag die neue Version von Ubuntu Linux ausgeliefert wird, dann ist das nicht irgendein Release irgendeiner Distribution.

Zum einen hat sich das auf der Debian-Distribution basierende Produkt der südafrikanischen Firma Canonical praktisch auf Anhieb gegen eine Unzahl anderer Versionen durchgesetzt.

Der "robuste Reiher"

Allen Statistiken zufolge hält Ubuntu bei etwas mehr als 30 Prozent des weltweiten Linux-Desktop-Markts, umgerechnet sind das ungefähr acht Millionen Benutzer.

Mit zehn Prozent sind "Mutter" Debian und OpenSuse als Nummer zwei und drei klar abgeschlagen.

Dazu kommt, dass die aktuelle Version 8.04 - wie immer trägt sie einen schrägen Beinamen aus dem Tierreich, nämlich "Hardy Heron" oder "robuster Reiher" - eine "Long Term Support Version" [LTS] ist.

Die Upgrade-Zyklen

Da ein Gutteil der im Einsatz befindlichen Ubuntu-Rechner in Unternehmen steht, ist das von zentraler Bedeutung, denn in Firmen geht es schlicht um berechenbare Upgrade-Zyklen.

Das heißt, die Verantwortlichen für größere Firmennetze wie die Inhaber kleiner IT-Betriebe können so flexibel kalkulieren. Notwendiger Hardware-Austausch kann so rund um das Release einer neuen LTS-Version passieren.

Alle zwei Jahre erscheint deshalb eine Version, die für den Desktop drei, den Server fünf Jahre lang Support garantiert, und das in beiden Versionen gratis.

Proprietäres und die Deadline

Bisher hat Canonical demonstriert, dass auch unter diesen Konditionen derartige Update-Zyklen machbar sind, und es spricht nichts dafür, dass es diesmal anders ist.

Am Donnerstag hatte der Eigentümer und CEO von Canonical, Mark Suttleworth gegenüber Linux.com in gewohnter Selbstsicherheit gesagt, dass Linux-Distributionen wie Open-Source-Projekte überhaupt proprietären Software-Produkten per se überlegen seien, wenn es um die Verfügbarkeit zu einem tatsächlichen Stichtag gehe.

"Wubi"

Shuttleworth wörtlich zu Linux.com: "Firmen vergleichen mittlerweile Linux mit Windows Vista und es ist klar, dass Linux den Erwartungen dabei eher entspricht." Das ist auch einer der wichtigsten Punkte an Ubuntu 8.04, was die Desktop-Version betrifft, und der Punkt heißt "Wubi".

Es ist tatsächlich eine .exe-Datei. Mit diesem Installer lässt sich Ubuntu 8.04 quasi als Windows-Programm unter XP und Vista installieren und ebenso wieder entfernen. Da Vista nach allen bekannten Tests auch auf neuerer Hardware - sagen wir - "sehr behäbig" läuft, ist das ein durchweg spannendes Experiment.

Erpel, affenschnell

Denn: Die aktuelle Ubuntu-Version 6.06 "Dapper Drake" [= "adretter Erpel"] mit "Long Term Support" läuft auch auf älteren Rechnern affenschnell, bei vier in der Redaktion von futurezone.ORF.at extern verwendeten Ubuntu-Rechnern - ein Desktop und drei Notebooks völlig unterschiedlichen Alters - war in 24 Monaten Betrieb kein einziger Systemabsturz zu verzeichnen.

Und das, obwohl eine gewisse Menge proprietärer Software darauf installiert wurde und es nur darauf ankam, dass die Systeme wo auch immer funktionierten, also tauglich für "Tante Jutta" waren.

Für so gut wie alle neu entdeckten Sicherheitslücken - die bei Ubuntu wie allen Betriebssystemen unvermeidlich sind - wurden in mehr als zwei Jahren Patches ausgeliefert, die teilweise schon vor der Veröffentlichung des Bugs über die Update-Automatik behoben waren.

Die einzige Hardware-Komponente, für die im Test bis dato noch keine Treiber verfügbar waren, ist eine WLAN-Karte von Broadcom in einem 2006er-Durchschnitts-Notebook von HP.

Der gehört Tante Jutta, die zu diesem Thema "guter Hoffnung" ist.