Digitale Lehrbücher für US-Unis
Seit 1998 auf dem US-Markt, war den "E-Books" bisher kein Erfolg beschieden.
Wurde die digitale Lektüre anfangs als Auslöser einer Revolution des Leseverhaltens und des Verlagswesens gesehen, so ist diese Begeisterung angesichts enttäuschender Verkaufszahlen längst in Ernüchterung umgeschlagen.
Der US-Buchgroßhändler MBS Textbook Exchange will nun elektronische Lehrbücher an US-Unis etablieren.
Die digitalen Ausgaben sollen um ein Drittel weniger kosten als ihre gedruckten Pendants, doch bereits nach einem Semester unbrauchbar werden.
An insgesamt zehn US-Universitäten, darunter Princeton, sollen die E-Wälzer ab Herbst angeboten werden.
MBS Textbook ExchangeNur auf einem Rechner lesbar
Die Lehrbücher sind natürlich mit einem Kopierschutz ausgestattet, der allerhand Einschränkungen mit sich bringt. Denn gerade sparsame Studenten werden von den Verlagen als potenzielle Raubkopierer-Gefahr angesehen.
Durch das Digital-Rights-Management [DRM] darf jedes elektronische Werk nur auf einen Computer geladen werden, nach einer Frist von fünf Monaten läuft es außerdem ab und ist nicht mehr auslesbar.
Durchgeackerte E-Bücher können daher auch nicht weiterverkauft werden.
Zudem verhindert der Kopierschutz das Ausdrucken eines kompletten Werkes, es können immer nur Textteile gedruckt werden.
Fällt man also durch einen Kurs, schlägt sich das künftig wohl nicht nur in der Studiendauer, sondern auch in den Lehrmittelausgaben nieder.
Um den Lehrbuchhändlern auf dem Uni-Gelände kein Geschäft wegzuschnappen, werden die digitalen Werke nur über diese verkauft.
Sony bringt E-Book-ReaderGebrauchtbüchermarkt auslöschen
Wie das neue Digital-Angebot bei den Studenten ankommen wird, wagen selbst die Initiatoren nicht zu prognostizieren.
"Wir wissen nicht, wie die Leute reagieren werden", so Virginia France, Marketingleiterin der Buchandlung in Princeton. "Das muss sich erst über die Zeit entwickeln, wir halten es jedenfalls für eine gute Idee."
Bürgerrechtler sehen in dem digitalen Vorstoß der Verlage den simplen Versuch, den Gebrauchtbüchermarkt auszulöschen.
"Solange die Kaufer die Wahl haben, gedruckte Bücher zu kaufen, sehe ich kein Problem," so Fred von Lohmann, Anwalt bei der Electronic Frontier Foundation [EFF]. "Doch die entscheidenen Frage ist, wie lange es noch dauert, bis die Verlage gar keine Bücher mehr drucken. Es gibt keinen Zweifel, dass sie sich eine Welt ohne einen Markt für gebrauchte Bücher wünschen."
