02.08.2005

ABGANG

AOLs Lateinamerika-Sparte vor dem Aus

Die Lateinamerika-Expansion des Providers AOL ist gründlich ins Stocken geraten.

AOL Brasilien, einst als Sprungbrett für die Marktführerschaft in Südamerika konzipiert, ist bankrott. Das Unternehmen hat in nur sieben Jahren eine Milliarde Dollar in den Sand gesetzt.

Von den 1,4 Millionen Kunden zur Hochzeit 2002 blieben zuletzt nur noch 400.000 übrig. Hoffnungsfroh hatte das Unternehmen begonnen - mit einer glamorösen Launch-Party und Michael Douglas als Stargast.

Von dem Glanz vergangener Zeiten ist nicht mehr viel übrig. Nur noch eine Hand voll Mitarbeiter arbeiten in einem Stockwerk eines verspiegelten Hochhauses - angeblich weiß nicht einmal mehr der Portier, ob das Unternehmen im Hause ist.

CD-Verbreitung funktionierte nicht

Viele Brasilianer empfanden AOL samt seiner Botschaft "Wir sind die größten, daher die besten" als arrogant - schließlich war AOL Brasilien zum Unternehmensstart noch der kleinste Provider. Konkurrenten wie Universo Online, die bereits seit 1995 auf dem Markt waren, hatten bereits eine treue Gefolgschaft an Kunden.

Auch das Erfolgskonzept aus den USA, durch die massenhafte Verbreitung von Zugangs-CDs Kunden zu gewinnen, funktionierte in Brasilien nicht. Neben dem Preismodell, das durch die zuätzlichen Minutengebühren an die Telefongesellschaften weniger attraktiv schien, setzte sich auch der CD-Versand nicht durch. Die Kosten für die Mailings waren knapp 40 Prozent höher als in den USA.

Aktie notiert bei fünf Cent

AOL Lateinamerika, das neben Brasilien auch Argentinien, Mexiko und Puerto Rico bediente, ist nun in Konkurs. Auch die einst aus einem Börsengang erzielten 700 Millionen Dollar sind längst verbraucht - die Aktien dümpeln bei fünf Cent herum. Analysten halten es für unwahrscheinlich, dass AOL noch einmal den Weg nach Lateinamerika wagen wird.