Chaostheoretiker Edward Lorenz ist tot

Schmetterling
17.04.2008

Vater der Chaostheorie

Der Schöpfer der Chaostheorie, Edward Lorenz, ist am Mittwoch im Alter von 90 Jahren in seinem Haus in Cambridge im US-Staat Massachusetts gestorben.

Als Professor des Massachusetts Institute of Technology [MIT] legte er 1972 seine Chaostheorie vor, nach der kleinste Ursachen schwerwiegende Folgen haben können.

Er erklärte das mit dem "Schmetterlingseffekt": Wenn ein Schmetterling in Brasilien mit seinen Flügeln flattert, führt das zu Bewegungen in der Atmosphäre, die in Texas einen Tornado auslösen können.

Zufällige Entdeckung

Auf die Chaostheorie war Lorenz in den 60er Jahren zufällig gestoßen, wie sein Schüler Kevin Trenberth berichtet. Lorenz schickte scheinbar dieselben Berechnungen unabsichtlich zweimal durch einen Computer - und erhielt weit auseinanderliegende Ergebnisse.

Bei der peniblen Überprüfung des Vorgangs stellte sich heraus, dass an einer Stelle eine winzige Verschiebung der Dezimalstelle - weniger als 0,0001 - zu den unterschiedlichen Ergebnissen führte.

Die Entdeckung des "deterministischen Chaos" wirkte weit über Lorenz' Fachgebiet, die Meteorologie, hinaus. Bei der Verleihung des Kyoto-Preises für Grundwissenschaften 1991 wurde seine Theorie "als eine der dramatischsten Veränderungen in der Sicht der Menschheit auf die Natur seit Sir Isaac Newton" gewürdigt. Lorenz gewann viele wissenschaftliche Auszeichnungen, allerdings nicht den Nobelpreis: Für sein Fachgebiet Metorologie gibt es keine Kategorie.

Lorenz wurde 1917 in West Hartford im US-Bundesstaat Connecticut geboren. Schon als Kind habe er "etwas mit Zahlen" machen wollen und sei vom Phänomen der Wetterveränderungen fasziniert gewesen, sagte er einmal. Sein Buch "Die Natur und Theorie der allgemeinen Zirkulation in der Atmosphäre" von 1967 gilt bis heute als Grundlagenwerk der Meteorologie.

(APA | AP)