21.07.2005

REGULATOR

Gutachten gegen Handymastensteuer

Eigentlich sah es so aus, als gebe es an der kürzlich in Niederösterreich beschlossenen Handymastensteuer nichts mehr zu Rütteln. Die Mobilfunker müssen durch die Abgabe mit erheblichen Zusatzkosten rechnen und fürchten die eine Ausweitung der Steuer auf andere Bundesländer.

Infrastrukturminister Hubert Gorbach [BZÖ] hält nun aber ein vom Telekomregulator erstelltes technisches Gutachten in Händen, mit dem sich das Blatt für die Branche wenden könnte. Das Gutachten könnte demnächst veröffentlicht werden.

Das technische Gutachten bescheinige Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll [ÖVP] eine "völlige Nichtkenntnis der Faktenlage" und stelle das beschlossene Landesgesetz bloß, heißt es in Branchenkreisen.

Die technischen Details würden zeigen, dass die von Niederösterreich geforderte gemeinsame Nutzung von Handymasten in vielen Fällen aus technischen, statischen und Ortsschutz-Gründen nicht möglich sei.

Ministerrat tagt am 9. August

Der Geschäftsführer des Interessensverbands Forum Mobilkommunikation [FMK], Thomas Barmüller, schlägt Niederösterreich nun ein gemeinsames Vorgehen vor, um die Möglichkeiten zur Handymastenreduktion sachlich zu prüfen.

Wünschenswert wäre laut Barmüller ein gemeinsames Gremium aus allen Beteiligten inklusive Politik und anderen Mastenbetreibern wie Nökom, EVN und ORF. Vielfach würde den Mobilfunkbetreibern nämlich von den Gemeinden aus Gründen des Ortsbildschutzes die gemeinsame Mastennützung untersagt.

Sollte Niederösterreich nicht von der Steuer abrücken, will Gorbach das Gesetz am 9. August in den Ministerrat einbringen und die Regierungsmitglieder davon überzeugen, gegen die Abgabe Einspruch zu erheben. Dafür ist jedoch Einstimmigkeit in der Regierung notwendig.

Gesetz tritt 2006 in Kraft

Die niederösterreichische Handymasten-Steuer soll ab 2006 eingehoben werden und den "Wildwuchs" an Handymasten eindämmen. Die Telekom-Branche dagegen ortet in der Abgabe eine reine Geldbeschaffungsaktion. Pro Sendeanlage müssen Mobilfunkbetreiber in Niederösterreich künftig bis zu 21.000 Euro im Jahr zahlen.