20.07.2005

KULT

20 Jahre Amiga

Kaum hatte der Kleincomputer C64 weltweit Büros und Kinderzimmer erobert, da stellte Commodore mit dem Amiga 1000 schon die nächste Heimcomputer-Generation vor.

"Das war nicht nur der Sprung vom Käfer zum Golf - sondern gleich zum schnellen BMW", vergleicht Computerhistoriker Stephan Slabihoud vom "8Bit-Museum.de" den Leistungszuwachs. Am 23. Juli 1985 feierte das Gerät Weltpremiere in New York.

"An Stelle des betagten 8-Bit-Microprozessors 6510 im C64 arbeitete ein schneller 32-Bit-Prozessor mit 16 bit breiter arithmetisch-logischer Einheit des Typs Motorola 68000 als technisches Herz im Amiga", beschreibt Slabihoud den technischen Fortschritt. Der Computer bot zahlreiche neue Möglichkeiten bei Bildbearbeitung und Animation.

Das Gerät konnte 4096 Farben darstellen und bot vierstimmigen Digitalsound. Das war der Durchbruch für grafische Animation und Soundmixing am Computer.

What you see is what you get

Auch bei der Textverarbeitung war der Amiga diversen Konkurrenzprodukten seiner Epoche weit voraus: Zu einer Zeit, als monochrome Monitore Standard waren und Textprogramme ihre Benutzer mit komplizierten Steuerzeichen und Sonderbefehlen verwirrten, bot der Amiga schon eine grafische Darstellung des gesamten Dokumentes. Damit zeigte der Bildschirm den Text in der passenden Typografie und dem Layout, wie es später auf dem Papier aussehen sollte.

Bei professionellen Anwendern in Werbeagenturen und Druckereien konnte sich der Amiga 1000 aber nie richtig durchsetzen und zum neuen Standard entwickeln. Hier hatten häufig Atari ST und Apple die Nase vorn. Mit den neuen Modellen Amiga 500 und Amiga 2000 legte Commodore nach.

Der Amiga 500 löste bei vielen Fans von Spielen und Animationen den C64 ab. Softwareanbieter modifizierten ihre Programme. Insbesondere zahlreiche Spiele boten auf dem Amiga mehr Möglichkeiten und bessere Grafik als auf dem C64.

Amiga 500 verhalf zum Durchbruch

Neben den USA waren Deutschland und Großbritannien die wichtigsten Märkte für den Amiga. Nach Angaben des 8-Bit-Museums wurden bis Ende 1993 in Deutschland rund 28.000 Commodore 1000, 124.000 Amiga 2000 und 1,1 Millionen Amiga 500 verkauft.

Auch wenn der Amiga im Vergleich zu heutigen Computern wie ein Dinosaurier wirkt, ist das Gerät nicht in Vergessenheit geraten und nur noch im Museum oder auf dem Elektroschrott-Recyclinghof zu finden. "Der Computer ist heute noch im Einsatz", sagt Slabihoud.

Manche Kinobetreiber würden zum Beispiel Anzeigetafeln mit Texten und Grafiken immer noch durch einen Amiga ansteuern. Außerdem gibt es noch viele Fangruppen und Amiga-Nutzer, die im Netz Erfahrungen und Software austauschen. Auch ein eigenes Betriebssystem - AmigaOS - wurde durch die Zusammenarbeit vieler User entwickelt.