Auf der Suche nach global gültigen Zeichen
Die Globalisierung läßt auch Designer und Typografen nicht ganz kalt. Der Standard Unicode sorgt für erhebliche Mehrarbeit, denn für eine international verwendbare Schrift kann die Arbeit nicht mehr bei 256 Zeichen aufhören. So an die tausend Zeichen müssen es schon sein.
Man kann Unicode als ein großes Archiv für die Schriftsysteme dieser Welt begreifen. Die Zeichen der kambodschanischen Schrift Khmer sind dort genauso zu finden wie Amo aus Nigeria.
Nur für Klingonisch, die Sprache aus Star Trek, konnte sich das Unicode Konsortium bisher nicht erwärmen.
Wikipedia-Infos zum Unicode-StandardVon Helvetica zu Arial
Zu der weltweit wohl erfolgreichsten Schrift Helvetica hat der Schriftensetzer Martin Majoor keine besonders gute Beziehung. Dem Holländer, der unter anderen für den Schriftzug der Fluglinie KLM verantwortlich ist, gefällt die Schweizer Typografie generell nicht.
Helvetica sei ein Klon und über Arial rede man am besten gar nicht, denn das sei nicht nur ein Klon, sondern der Klon eines Klones. 1896 nannte sich das Original noch Akzidenz-Grotesk.
Unter Typografen erzählt man sich die Geschichte, dass Bill Gates keine Lizenzgebühren für die Verwendung von Helvetica zahlen wollte und deswegen seine Schriftsetzer verpflichtete, fast dasselbe unter dem Namen Arial auszuarbeiten.
Heute ist Arial eine der wenigen Schriften, für die es über 50.000 Glyphen gibt. Arial Unicode MS muss damit wohl als Weltschrift bezeichnet werden. Es gibt keine andere Schrift, die soviel Code-Positionen im Unicode abdeckt.
Meistens beschränken sich Typographen auf rund 1.000 Zeichen, damit ihr Font zumindest neben den Osteuropäischen Sonderzeichen auch das kyrillische und griechische Alphabet abdeckt.
Allerdings wurde auch die Arbeit an Arial bereits eingestellt und es gibt das Gerücht, dass diese Schrift als Windows-Systemschrift ausgedient hat.
decodeunicode.orgAaron Marcus hat weder ein Problem mit Microsoft noch mit Helvetica. Geschmäcker sind verschieden; Und dass Arial, Helvetica und Times New Roman als internationale Schriften angesehen werden, hat eben weniger mit Geschmack zu tun, sondern mit Verfügbarkeit.
Aaron Marcus: "Es stimmt sicherlich, dass Arial und andere Microsoft-Schriften die Geschäftskommunikation bestimmt haben. Das wird auch weiterhin so bleiben. Erinnern Sie sich, was ich früher gesagt habe: Es ist wesentlich leichter, die Menschen davon zu überzeugen, morgen etwas anders zu machen, wenn Sie ein König sind und die Welt beherrschen. Das war auch der Fall bei der Einführung der karolingischen Minuskel unter Karl den Großen, so rund um 800."
Karl der Große, so sagt man, sei selbst ein Analphabet gewesen. Ganz prinzipiell stellt sich die Frage, ob das Problem der internationalen Verständigung nicht auch ganz anders als mit herkömmlichen Schriftzeichen zu lösen wäre. Zumindest für die persönliche Kommunikation wie auch für finanzielle Transaktionen könnte sich Aaron Marcus eine andere Schriftkultur vorstellen.
Mehr über neue und alte Schriftkulturen war am Sonntag um 22.30 im Ö1-Magazin matrix zu hören - eine Sendung von Mariann Unterluggauer.
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