10.07.2005

Ö1 MATRIX

Tauschbörsen für das Wissen

500 Forscher und Wirtschaftstreibende sind von 29. Juni bis 1. Juli bei der Konferenz "i-Know" im Grazer Messezentrum zusammengekommen, um ihre neuesten Forschungsarbeiten und praktischen Anwendungen zum Wissensmanagement zu präsentieren und die Zukunft des Faches zu diskutieren.

In neun Konferenzräumen standen parallel Themen wie mobile Informationssysteme, e-Learning, Informationsvisualisierung und die Suche in Multimedia-Daten auf dem Programm.

Wissen als Wettbewerbsfaktor

Wissen gilt derzeit als die wichtigste Produktivkraft für Unternehmen. In Zeiten der Auslagerung von Arbeitskosten an Billiglohnländer müsse sich Europa vermehrt durch Fachwissen und Innovationen behaupten, heißt es.

Unternehmen müssten deshalb das Wissen ihrer Mitarbeiter effizient nützen und dafür sorgen, dass diese auch rasch an neues Wissen kommen können.

Angesichts der Fülle digital verfügbarer Informationen wird es aber immer schwieriger, die relevanten Informationen rasch zu finden.

Wissen managen

Der Weg dahin sind sogenannte semantische Technologien, mit denen Informationen mit Metatags versehen werden können, die Begriffen Bedeutung zuweisen.

Das ist zum Beispiel mit "Yellow Pages"-Systemen möglich, die Mitarbeiter in einer Datenbank automatisch mit ihren Projekten und Erfahrungen verknüpfen. Aufgabe ist es auch Wissen durch verschiedene Visualisierungsmethoden besser darzustellen.

Heftig diskutiert wird in der Zunft der Wissensmanager, ob und welches Wissen überhaupt erfasst und gemanagt werden kann.

Für Wissensmanagement eignen sich im Prinzip nur Informationen, die digital gespeichert, verwaltet und abgerufen werden können. Wissen in Form von Fertigkeiten lässt sich hingegen nur schwer managen. Kritisiert wird auch, dass Wissensmanagement zumeist einen zentralistischen Ansatz hat.

Peer-to-Peer-Wissensmanagement

Bonifacio habe bei seiner Arbeit festgestellt, dass Menschen weiterhin lokal arbeiten und ihre Daten lokal verwalten, selbst wenn sie Werkzeuge zum Wissensmanagement zur Verfügung haben. Wissensmanagement sei deshalb nicht standardisierbar und nicht zentralisierbar.

Seine Lösung ist ein Peer-to-Peer-System für den Austausch von Dokumenten, bei dem jeder Benützer selbst entscheiden kann, wem er welche Daten zur Verfügung stellt.

Semantic Desktop

Auf individuelle Lösungen setzt auch der Österreicher Leo Sauermann, der am Institut für Informationssysteme der TU Wien im Rahmen seiner Diplomarbeit eine semantische Suche auf dem PC mit dem Namen "Gnowsis" erschaffen hat.

Den "Semantic Desktop" entwickelt Sauermann jetzt am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Kaiserslautern und an der dortigen Universität weiter.

Mit dem "Semantic Desktop" kann jeder Benutzer auf seinem eigenen Computer mithilfe der neuesten semantischen Technologien nach Informationen suchen. Damit gehe das System über die Möglichkeiten der derzeitigen Desktop-Suche - wie "Google Desktop" oder "Spotlight" bei Mac OS X Tiger hinaus.

Der Semantic Desktop macht die Suche nach Wörtern und ihrer Bedeutung möglich oder nach einem bereits bekannten Pfad.

Sucht man zum Beispiel nach einem Dokument einer bestimmten Person, kann man zuerst die Person im Adressenverzeichnis auswählen und dann den Verbindungen von dieser Person zu ihren E-Mails, Fotos oder Dokumenten nachgehen. Oder man erinnert sich, wann in etwa ein bestimmtes Dokument erstellt wurde und sucht entlang der Zeitachse.