Mr. Ballmers letzte Chance

12.04.2008

Nachdem Steve Ballmer im Kampf um Yahoo das Stellen von Ultimaten als neuen Kommunikationsstil in der IT-Branche eingeführt hat, wollen wir ihm nicht nachstehen. Bei uns bekommt jeder eine Chance. Aber eben nur noch eine.

Steve Ballmer stellt Yahoo ein Ultimatum. Sehr gut. Das merken wir uns. Ab jetzt machen wir das auch. Ultimaten sind in der IT-Welt quasi nicht mehr wegzudenken. Und erst recht nicht aus dem Internet. Also, Steve Ballmer, aufgepasst. Entweder du bringst mit dem sanften Druck des Ex-Chefs den Vista-Nachfolger wirklich 2009 heraus, oder wir steigen alle ab Juni auf das iPhone um.

Noch ein Ultimatum gefällig? Entweder, das Web vergisst meinen Namen und meinen E-Mail-Account wieder, oder ich lösche mich aus den Annalen. Und wenn das nicht klappt - davon ist auszugehen - dann lasse ich "Identifight" von Ballmer aufkaufen.

Und, liebe Holländer, entweder ihr macht euer Tool auch für alpenländische Adressen flugfähig, oder wir erklären das da zur Mode in Amsterdam. Dann bekommt jeder von euch einen Bluetooth-Sender in den Unterarm gepflanzt. Und dann wird tätowiert und telefoniert, bis die Deiche wackeln.

Und, liebe Musikindustrie, entweder ihr begreift Wikipedia auch als Promofläche für eure Musiker und liefert da anständige Downloads und Infos, oder wir hören ab jetzt nur noch altschottischen Dudelsack. Oder noch besser: Wir spielen ihn selbst. Und wenn ihr das bis nächstes Jahr nicht in Wikipedia klarmacht, dann müsst ihr zu Strafe eure Download-Portale in Second Life testen. Dann seid ihr beschäftigt und verklagt niemanden mehr. Und diese komischen leeren Inseln voller vereinsamter Freizeit-Avatare haben endlich wieder einen Sinn. Schluss mit Umherstrolchen und sich wundern, dass das jemand tatsächlich mal nett gefunden hat.

Vielleicht kann ja noch jemand dieses Tool integrieren, damit auch alle wieder aus Second Life herausfinden und nur noch die Angestellten von Linden und drei Dutzend Autoren von SL-Jubelbüchern da drin zu finden sind. So stelle ich mir übrigens die Hölle vor.

Und, liebe Hersteller von Schreibwerkzeugen, entweder ihr nehmt diesen Stift, der seine Bewegungen in OneNote übertragbar macht, in euer Programm auf, oder wir nutzen in Zukunft nur noch Spracherkennung.

Oder wir kaufen uns wieder teure Füllfederhalter, mit denen wir jede Menge blauer Flecken aufs Papier machen, woran ihr auch wieder schuld seid. Die Fotos davon publizieren wir dann auf Flickr. Aber das kennt ihr ja nicht, Ihr lasst von Euren Aufnahmen noch Papierabzüge machen und fallt sicher noch auf solche alten IT-Gags rein, mit denen man jeden Pressesprecher und Hausmeister in den Wahnsinn treiben kann.

So. Ganz schön anstregend, solche Ultimaten zu stellen. Kein Wunder, dass Ballmer ein wenig haarlos in der Gegend herumsteht.

(Harald Taglinger)