Begleitband aus der DOSe

10.04.2008

Jedem Duschen-Caruso sein eigenes Computer-Orchester. Die experimentelle Microsoft-Software "MySong" soll einsam singende Menschen in Zukunft automatisch mit computergenerierten Melodien begleiten.

MySong arbeitet in zwei Schritten: Zuerst wird in einem "Pitch Tracking" genannten Verfahren eine Datei der gesungenen Notenabfolge erstellt, anschließend erstellt die Software anhand dieser Sequenz die passende Begleitmusik.

Daraufhin wird die Akkordfolge mit einem weiteren Programm namens "Band in a Box" zu einem kompletten Musikarrangement mit verschiedenen Instrumenten ausgeweitet.

Die Forscher stellten auf Ihrer Website MP3-Beispiele der stimmlichen Eingabe und der von MySong daraus generierten Akkorde bereit.

Von "Happy" bis "Jazzy"

Da eine Person nur sehr selten die genaue Frequenz von sich gibt, vergleicht MySong die gesungene Melodie mit den zwölf Standardtönen und erstellt die wahrscheinlichste Tonfolge.

Ein neu entwickelter Algorithmus, der zuvor über 300 Rock- Pop- Country- und Jazz-Songs analysiert hat, erkennt dann die Melodiefragmente und Akkorde, die zueinander passen und einander ergänzen.

Da es in der Musik nicht nur einen richtigen passenden Akkord gibt, kann der Nutzer der Software aus einer Vielzahl von erstellten Sequenzen mittels eines Schiebereglers von "Happy Factor" bis "Jazz Factor" wählen.

Die MySong-Software wurde in Zusammenarbeit von Dan Morris und Sumit Basu vom Microsoft-Forschungslabor in Redmond und Ian Simon von der Universität Washington in Seattle entwickelt.

Handyversion denkbar

"Wahrscheinlich werden die Musiker nun wettern, dass das ein weiterer Schritt in Richtung einheitlicher Fahrstuhlmusik ist," so Peter Bentley vom University College London. "Aber ich glaube, es gibt einen großen Markt dafür, ob es die Musiker nun mögen oder nicht."

"Der spannendste Teil der Software ist, dass der Nutzer mit seiner Gesangsstimme mit dem Musikgenerator interagiert," erklärt Tod Machover vom Massachusetts Institute of Technology. "Bisher wird die Stimme als Schnittstelle zu interaktiven Systemen noch vernachlässigt."

Wann die Software auf den Markt kommen soll, ist noch offen. Da MySong nicht rechenintensiv ist und daher wenig Ressourcen benötigt, ist auch eine Handyversion vorstellbar.

(New Scientist)