BRD will Anteile an Bundesdruckerei
"Sicherheits- und Geheimnisschutzinteressen"
Die Bundesrepublik Deutschland will bei der privatisierten Berliner Bundesdruckerei wieder einsteigen. Die Bundesdruckerei stellt die deutschen Euro-Noten und auch die neuen, elektronisch lesbaren Reisepässe her.
"Aus Sicht der Bundesregierung wird eine Minderheitsbeteiligung des Bundes an den Geschäftsanteilen der Bundesdruckerei in Höhe von 25,1 Prozent für erforderlich gehalten", sagte eine Sprecherin des Innenministeriums am Montag. Die Regierung strebe zudem Eigentümerstrukturen an, die die Sicherheits- und Geheimnisschutzinteressen des Bundes wahren.
Giesecke & Devrient will Mehrheit
Für die Mehrheit der Anteile interessiert sich der Münchener Konkurrent Giesecke & Devrient [G&D]. G&D ist neben der Bundesdruckerei der einzige deutsche Hersteller von Geldscheinen, hat sein Geschäft zuletzt aber vor allem auf Chipkarten und Elektronik ausgeweitet.
Einem Bericht der deutschen Zeitung "Wirtschaftswoche" zufolge hat das Familienunternehmen zuletzt allerdings sein Gebot für die Mehrheit gesenkt. Eine Firmensprecherin wollte sich zu den Details des Verkaufsprozesses nicht äußern. Die Mehrheitsbeteiligung an der Druckerei sei "eine mögliche strategische Option", sagte sie lediglich. G&D könne einen Kauf problemlos finanzieren.
Siemens nicht interessiert
Siemens, das neben G&D und Bosch als Interessent für die insgesamt mehr als 700 Millionen Euro teure Bundesdruckerei genannt worden war, winkte ab. "Kein Interesse, wir sind da nicht aktiv", sagte ein Sprecher der IT-Sparte SIS. Bosch wollte sich zu dem Bericht nicht äußern.
Der Bund ist neben der Landesbank Hessen-Thüringen Hauptgläubiger der Bundesdruckerei. Seine Forderungen könnte der Bund in eine Beteiligung umwandeln, so dass beim Wiedereinstieg kein Bargeld fließe, hatte es in Verhandlungskreisen geheißen. Allerdings gebe es im Zuge des Bieterprozesses noch Uneinigkeit über die Unternehmensbewertung der Druckerei.
Misslungene Privatisierung
Die Bundesdruckerei gilt als Beispiel für eine misslungene Privatisierung. Der Finanzinvestor APAX, an den sie verkauft worden war, bürdete dem Unternehmen wie in der Branche üblich hohe Schulden auf, führte es damit aber an den Rand der Pleite. 2002 stieg APAX wieder aus, seither gehört der frühere Staatsbetrieb dem Treuhänder Heinz-Günter Gondert von der Anwaltskanzlei Clifford Chance.
(Reuters)
