19.06.2005

Ö1-MATRIX

Print kämpft gegen Online

Die Geschichte des Online-Journalismus begann im Jahr 1993, als die amerikanische Wochenzeitschrift "Time" den Inhalt ihrer aktuellen Ausgaben auf AOL zugänglich machte. Im Jahr darauf folgte der Launch einer eigenen Website - Time.com.

Die Site machte damals großen Eindruck, auch auf drei im Textarchiv der Tageszeitung "Der Standard" arbeitende Redakteure. Eine davon war Gerlinde Hinterleitner, heute Chefredakteurin von derStandard.at. Sie erinnert sich:

"Wir haben uns Anfang 1995 10.000 Schilling vom damaligen Verlagsleiter der Zeitung geholt und diese 10.000 Schilling haben wir direkt einem HTML-Programmierer gegeben - ich glaube, das war einer von zwei HMTL-Programmierern, die's damals in Wien gegeben hat. Der Programmierer war erst Mitte Jänner aus Amerika zurückgekommen und am 2. Februar 1995 sind wir schon online gegangen. So quasi in 14 Tagen haben wir das damals auf die Beine gestellt."

Posting-Pioniere

Eines der Erfolgsgeheimnisse des "Online-Standard" ist seine überaus aktive Community. Seit April 1999 ist es den Usern möglich, alle auf der Site veröffentlichten Artikel auch zu kommentieren. Gerlinde Hinterleitner dazu:

"Wir waren die Ersten, die das Posten direkt unter dem Artikel ermöglicht haben. Damals war's üblich, dass man ein Forum einrichtet und die Redaktion stellt eine Frage und dann postet man halt dazu. Unsere Idee war, dass die User selber entscheiden sollen, wo sie diskutieren wollen und wo nicht."

Leser schreiben für Leser

Die Community bzw. der aktive Leser spielt auch auf der Website der Tageszeitung "Rheinische Post" in Düsseldorf eine ganz zentrale Rolle. Der User hat dort nämlich die Möglichkeit, selbst Artikel, Texte und Photos hochzuladen.

Alle 14 Tage wird ein "Best of" der online veröffentlichten Beiträge gedruckt und der Printausgabe der "Rheinischen Post" beigelegt.

Interaktion und Crossmedialität

Wenn immer mehr Zeitungen mit neuen Formen von Interaktion und "Crossmedialität" experimentieren, dann ist das allerdings kein Selbstzweck, sondern Ausdruck einer tiefen Krise der klassischen Zeitungen. Diese sehen sich nämlich mit dramatisch sinkenden Auflagenzahlen, vor allem unter jüngeren Leserschichten, konfrontiert.

Daher wird versucht, gerade diese jüngeren Leserschichten auf dem Weg über das Internet wieder stärker an die gedruckte Zeitung heranzuführen und zu binden.