Mit Jacob Nielsen im Wilden Westen
Dank Jacob Nielsen wissen wir, dass ab 25 auch unsere Web-Reflexe langsam erlahmen. Mit 50 reicht es vielleicht noch für ein Google-Maps-Rennspiel im ersten Gang. Wer klug ist, informiert sich schon vorher über die geografische Verteilung potenzieller Lebenspartner.
Meine Herren, ab 25 geht es bergab. Wir haben uns noch vergangene Woche über Linda de Mol amüsiert und ihre Erkenntnis, dass ihre Brüste bereits um vier Zentimeter absackten. Nun wissen wir auch, dass es ab 25 auch nicht mehr so toll ist mit dem Klicken. Eigentlich surft es sich vor allem dann gut, wenn man wegen des Jugendschutzes nicht darf. Danke, Welt.
Aber auch andere Dinge gehen flöten. Und das meine ich nicht musikalisch. Mit Sicherheit wird es trotz intensiven Einsatzes aller Datenschützer weltweit nicht besser mit der Sicherheit. Wie gut, dass es Werkzeuge gibt, die die Verlässlichkeit der eigenen Passwörter überprüfen. Hoffentlich sitzt da kein Schnüffler auf der anderen Seite der Website. Einer von den alten, die eigentlich gar nicht mit dem Internet umgehen können. Danke, Geheimdienst.
Navigieren heißt verlieren
Die wären auch glatt durch Pages wie diese im Google-Maps-Stil überfordert. Da ist es doch kein Wunder, wenn es immer weiter mit allem bergab geht. Sollen wir wirklich auch in Zeitschriften wie in einem Vorort von Innsbruck herumnavigieren? Hineinzoomen, hin- und herschieben und ein wenig zentrieren. Das soll es schon gewesen sein? Gut, das schafft man auch mit 85 noch. Und mit Brillengläsern, die so dick sind wie altrömische Weinglasböden. Danke, Google.
Wenn schon Zeitschriften wie Stadtteile navigierbar werden, dann darf man sich aber auch nicht wundern, dass Werbekunden auf ein Motiv von Fiat nur mit einem Kopfschütteln und einem "Ja, so sieht Amerika eben aus, die Welt ist klein", reagieren. Keiner merkt, dass der ganze Mittlere Westen fehlt und zugunsten eines Satellitenbildes a la Google Earth reduziert wurde.
Keine Frauen im Westen
Dabei darf man den Westen des Landes nicht einfach ausblenden. Merken wir uns: Im Wilden Westen der USA leben einfach mehr unverheiratete Männer, die Damen halten sich scheinbar an der Ostküste bereit [kleiner Tipp: Man darf in den USA auch frei reisen]. Nur beim Zahlen sind sie alle gleich arm dran, vor allem die über 25. Zum Beispiel für den Irak-Krieg. Da braucht der Krieg den ganzen Bürger. Finanziell gesehen. Nicht schlecht: Für das Geld hätte man alleine in Kalifornien 117 Millionen Wohnungen mit Sonnenkollektoren ausstatten können. Das erspart einem auch den Ölkrieg. Danke, Bush.
Wenn schon alles abwärtsgeht, dann sollte es auch sauber dokumentiert werden. Nicht nur in den klassischen Medien. Die sind derzeit mit Klimaschutz und Bankenbankrott beschäftigt. Aber es gibt zum Beispiel Flickr, das das Image hat, vor allem Urlaubsfotos zu beherbergen. Dabei kommt es nur auf die Gruppe von Menschen an, die diese Site benutzen. Diese Gruppe zum Beispiel möchte über die Ausbreitung der Vogelgrippe informieren. Sie sammelt Fotos zur Bekämpfung der Seuche. Abseits der Medienagenda. Permanent. Danke, Flickr.
Bespamte Patienten
Das Internet ist vermutlich dazu da, Menschen mit gleichen Ansichten, Problemen und Einkommen zu finden. Diese drei Zielgruppen vereinen sich auf Communitys, die klar einem Zweck dienen: Umgang mit Angst. Patients like me soll Menschen zusammenführen, die die gleiche Diagnose haben. Und das kann dabei helfen, mit wirklich schlimmen Krankheiten durch Kommunikation mit Leidensgenossen besser zurechtzukommen.
Allerdings nur, wenn diese Site nicht zu Besserwisserei von Patienten oder zu verstecktem Marketing für Medikamente führt. Nichts hasst der Arzt so sehr wie einen Link auf die Frage: "Na, wie geht es uns denn heute?" Danke, Doktor.
Autorennen mit Google Maps
Nach so ernsten Themen sollten wir uns entspannen. Nichts stört den gefühlten Abbau so sehr wie ein Nervenzusammenbruch. Bekanntlich steht der Sonntag vor der Tür. Für manche vor der Wagentür. Deshalb können drei kleine, auf Google Maps basierende Spielchen das ideale Training für die Heimfahrt sein.
Google Drive nutzt die Karten von Google, um mit einem kleinen Autolein und den Pfeiltasten durch die Stadt zu fahren. Das tut auch die japanische Variante des 2D Driving Simulators, sogar mit virtuellem Lenkrad. Der Realworldracer erlaubt sogar das Rennen gegen den Computer. Allerdings lassen die beiden letzten Mogeln zu. Man kann auch über die Häuser drüberfahren. Bei Google Drive ist aber am Straßenrand Schluss mit lustig. Danke, "lustig".
(Harald Taglinger)
