ICT plus Creativity = Content?
"ICT plus Creativity = Content" [ICT steht für Information and Communication Technology] - Diese einfach klingende Formel war für so manchen Teilnehmer der österreichischen Vorbereitungskonferenz zum "Word Summit on the Information Society" schwer zu verstehen.
Etwa für John Perry Barlow, der als Experte für den Workshop "Economic Framework for IT-Corporations" eingeladen war.
"Vieles was da gesagt wird, sind gut klingende Lippenbekenntnisse". so der ehemalige Songschreiber für die Band "The Grateful Dead" und Mitbegründer der EFF, der "Electronic Frontier Foundation", einer internationalen Organisation, die für die Freiheits- und Bürgerrechte der Internetnutzer eintritt.
"Dieser ständige Gebrauch des Begriffs 'Inhalt' ärgert mich, weil eigentlich sind Inhalte menschliche Ausdrucksformen und nicht Industrieprodukte. Ich habe heute Leute auf der Konferenz über das Konsumieren von Inhalten reden gehört. Ich weiss ja nicht was passiert, wenn Leute einen meiner Songs konsumieren, aber es ist wahrscheinlich nicht dasselbe, wie wenn sie einen Hamburger konsumieren."
Es liege im Interesse der Wirtschaft, aus der menschlichen Kreativität Kapital zu schlagen, so John Perry Barlow. Menschliche Ausdrucksformen werden in physische Objekte verpackt und transportiert. Die Ironie liege nun aber darin, dass es immer noch "Content" genannt werde, obwohl im digitalen Zeitalter all die Container verschwinden.
Wichtiger als die Businessmodelle rund um die Verwertbarkeit von "Quality Content", seien neue Ansätze im Umgang mit geistigem Eigentum, wie Offene Lizenz-Modelle, so John Perry Barlow.
"Wiener Erklärung"
Bei der Konferenz "ICT and Creativity", die von 2. bis 3. Juni in
Wien stattgefunden hat, wurde die Bedeutung der Inhalte für die
Informationsgesellschaft diskutiert. Rund 300 Vertreter von Staaten,
aus der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft haben ihre Ideen und
Vorstellungen zu den Herausforderungen des Informationszeitalters
präsentiert, die in der "Wiener Erklärung" zusammengefasst wurden.
"The Vienna Conclusions" zu "ICT and Creativity" sollen beim
Weltgipfel zur Informationsgesellschaft in Tunis vorgestellt werden.
UN WSIS Contributory ConferenceÜber die aktuellen Diskussionen rund um den kommenden "Weltgipfel zur Informationsgesellschaft" in Tunis berichtet die zivilgesellschaftliche Website "Worldsummit2005.org".
"Creativity is more than a business model" lautet der Titel eines kritischen Kommentars, den Chefredakteur Ralph Bendrath über die Wiener Konferenz verfasst hat. Er war bereits beim Genfer-Weltgipfel involviert, als Koordinator der internationalen zivilgesellschaftlichen Arbeitsgruppe "Datenschutz und Sicherheit".
Ralph Bendrath ist Wissenschafter am "Collaborative Research Center" an der Universität Bremen. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Datenschutzregulation im Internet. Die Wiener Vorbereitungskonferenz beurteilt er mit gemischten Gefühlen.
"Manche Reden über Geschäftsmodelle rund um interaktive Webservices klingen so wie die Dot.Com-Blase der späten 1990er Jahre. Was sich aber in den letzten paar Jahren gezeigt hat, ist, dass die Sachen super funktionieren, die überhaupt nicht wirtschaftlich ausgerichtet sind, sondern eher auf die Freiwilligkeit der Leute und ihre Passion setzen, also zum Beispiel Wikipedia, die ganze Blogsphäre oder Pod-Casting."
Creativity is more than a business modelHeute 22:30 im Ö1-Magazin matrix
Die österreichische Vorbereitungskonferenz mit rund 300 Teilnehmern aus Österreich und der übrigen Welt beschäftigte sich vor allem mit den Inhalten der Kommunikations- und Informationstechnologien und mit den Strategien für eine kreative Informationsgesellschaft. Am Ende gab es dann auch noch eine "Wiener Erklärung".
Sonja Bettel und Ina Zwerger haben die Konferenz besucht und Stimmen eingeholt.
Bridging the Information Gap
