Planet der Mehrschweinchen
Die Wirtschaftskrise schlägt auch bei Harald Taglinger zu. Statt Schmelzkäse kommen nur noch virtuelle Äpfel auf den Tisch, während nach bester Newton-Tradition das Wirken der Gravitationskräfte auf die Aktienkurse beobachtet wird.
Alle wollen sie immer mehr. Der Staat, die Musikindustrie, die Gewerkschaften, eine ganze Mehrschweinchen-Industrie scheint es zu geben. Kaum einer ist mit weniger zufrieden. Dabei könnten wir alle von den Google-Gründern lernen. Denn die haben durch die grandiose Talfahrt ihrer Aktien in letzter Zeit je 8,5 Milliarden Dollar verloren.
Wie Käse auf Heizöl
Das macht 17 Milliarden weniger auf den Konten. Gut, das ist nichts gegen den 160-Milliarden-Euro-Haushalt Österreichs. Aber es kommt noch dicker. Schon ein einziger Urlaub in Mexiko könnte den Google-Göttern die Laune weiter verderben, schließlich folgt die US-Landeswährung ja inzwischen auch den Zustimmungswerten von Präsident George W. Bush in der heimischen Bevölkerung. Ihr Wert schmilzt wie Scheibenkäse auf brennendem Heizöl.
Deshalb sollten wir uns immer wieder vor Augen halten, dass weniger eben mehr sein kann. Weniger Ruhm zum Beispiel. Streng genommen kann man froh sein, wenn man als C-Promi der Sorte "Ich habe Dagmar Koller einmal in die Locken gegriffen" für 15 Minuten im Kurzzeitgedächtnis des TV-Publikums bleibt. Bei Gelegenheitsprostituierten, die nebenher als Senatoren-Killer arbeiten, sieht das so aus.
Schlecht fürs Geschäft
Nur ganz kurze Zeit schlagen die Suchmaschinen auf einen an. Dann steht man wieder auf der Straße. Und dann ist weniger vielleicht auch wieder mehr. Wer kommt denn bei einem Medienrummel in dem Geschäft dazu, seinen Geschäften nachzugehen?
Wie man sich angesichts einer gewissen medialen Einengung auch auf engstem Raum weiterbewegt, das zeigt eine sehr denkwürdige Karte, die den Aktionsradius der ersten Mondlandung auf ein Fußballfeld projiziert.
Der ferngelenkte Astronaut
Und das ernüchternde Ergebnis ist: So ein großer Schritt für die Menschheit war es schon alleine wegen der wenigen Schritte der Astronauten nicht. Zudem behaupten immer noch Zeitgenossen, dass die Landung von Hollywood und nicht von Cape Caneveral aus gesteuert wurde. Da ist dann weniger auch mehr.
Denn nichts ärgert einen NASA-Manager mehr als ein erschossener und skalpierter Mitarbeiter im Pseudo-Krater, weil die Mondlandung mit dem Drehterminen eines Indianerfilms kollidierte. Vermutlich haben aber findige Filmagenten bei der Apollo-13-Fake-Mission gesagt: Ach was, wir drehen den Hollywood-Film gleich mit und bringen den 30 Jahre später ins Kino. Merkt eh niemand. Tom Hanks sieht ja jahrzehntelang gleich aus ... Ich schweife ab, Schluss jetzt, weniger ist mehr.
Supersize-Orangensaft
Angenommen, die Astronauten auf dem Mond, wenn sie denn dort waren, hätten dann eine ziemliche Weile auf den nordamerikanischen Kontinent herabgeblickt. Und angenommen, alle Wal-Mart-Filialen hätten zur Eröffnung einen Scheinwerfer gegen den Himmel gerichtet, dann hätten die Angestellten der Hollywood-Behörde mit Fluggenehmigung folgenden Film über die Ausbreitung der Supermarktkette in den USA gesehen.
Zwei Dinge fallen bei diesem Zeitraffer auf: Der Westen ist irgendwie nicht nur indianer-, sondern auch kundenunfreundlich. Und Kalifornien hat sich vermutlich ziemlich lange gesagt: Nur ein geschlossener Wal-Mart ist ein guter Wal-Mart. Aber das ging vorbei. Und weniger ist im Mittleren Westen auch mehr. Wenn da ein Kunde aus der versteppten Zigarettenlandschaft ins Geschäft kommt, dann kommt der nicht mit einer Packung Orangensaft wieder raus, dann nimmt der ganze Kanister mit in die Prärie. Kenner nennen das auch den US-Einkauf für den kleinen Durst, aber ich schweife ab.
Äpfel und Energie
Wo wir gerade bei Obst sind. Stellen wir uns einmal Folgendes vor: Wir stehen vor einem Tisch und bücken uns, weil da ein Apfel liegt. Und diesen Apfel nehmen wir und legen ihn auf den Tisch. Dann haben wir zirka ein Joule verbraucht. Gut. Stellen wir uns jetzt vor, wir machen das mit 40 Äpfeln, und zwar einmal in der Sekunde. Dann haben wir pro Sekunde 40 Joule verbraucht. Also 40 Watt.
Ein US-Bürger schickt nicht nur alle 30 bis 40 Jahre Menschen vermutlich auf den Mond, damit die da oben ein ziemlich müdes Fußballspiel durchziehen. Er oder sie verbraucht so viel Energie, dass man davon ständig 113 100-Watt-Glühbirnen brennen lassen könnte.
In Obst wage ich das gar nicht umzurechnen. Zumindest täte das einzelnen Kranken im Land ganz gut, wieder mehr Äpfel auf einen Tisch zu legen und diese dann auch zu essen. Weniger ist mehr, wenn wenig immer weniger bei zu vielen wird.
Malen wir keinen fetten Teufel nicht Wand. Gehen wir vergnügt durch das erste schneefreie Wochenende nach Ostern. Zum Beispiel, indem wir selbst wieder einmal sehr schnell und in der Art einer WiiComics zeichnen. Das kann dann sogar ich. Allerdings habe ich dabei geloost, meiner Frau ein Mondgesicht zu malen. Beim Thema Schminke kapituliere ich wie US-Banken an der Börse. Ich trage immer ein wenig zu dick auf, wie Google. Und dann sieht es ähnlich kunterbunt aus.
(Harald Taglinger)
