Haft für Software-"Robin Hoods"
Die Verurteilten streiften dabei keinen Profit ein, sie sahen sich selbst als moderne "Robin Hoods", die von den reichen Firmen nahmen, um im Internet kostenlos zu verteilen.
Für den Richter waren die vier Männer im Alter zwischen 31 und 42 Jahren jedoch "traurige Gestalten", die ihre Leben ausschließlich vor dem Rechner verbrachten.
Sie handelten aus blankem "Hass auf Software-Unternehmen", so die Staatsanwaltschaft.
Nur einer der Männer kam mit einer Bewährungsstrafe davon, die anderen müssen ins Gefängnis.
Die vier jetzt verurteilten Männer gehörten zudem der internationalen Warez-Bande "Drink Or Die" [DOD] an. Die Gruppe wurde bereits 2001 ausgehoben.
Warez-Gruppe vor GerichtRuhm und Ehre als Motiv
Die vier Männer, darunter ein Banker, ein IT-Manager und ein Universitätsnetzwerkadministrator, waren allesamt im Beruf erfolgreich und betrieben ihr Hobby, um in der Online-Welt zu Ruhm und Ehre zu kommen.
"Sie betrachten sich selbst als Stars", sagte einer der Staatsanwälte, "Sie waren nicht gewinnorientiert, sondern vom Hass auf die Software-Industrie und dem Ruhm, den man einheimst, wenn man ein Programm als erster geknackt hat, getrieben."
Die Bande bot viele Programme zum Gratis-Download an, noch bevor sie überhaupt am Markt erschienen.
Der Prozess ist Ergebnis einer gemeinsamen Aktion [Operation "Buccaneer"] britischer und US-Behörden, in deren Verlauf über 60 Verdächtige in zwölf Ländern verhaftet wurden.
Die Operation "Buccaneer"Kein Opferloses Verbrechen
In der Begründung führte der Richter aus, dass die Männer nichts anderes als Diebe seien. "Ihre Motivation war nicht nur der kostenlose Zugriff für alle, sondern die eigene Reputation zu erhöhen und ein Teil einer internationalen Bande zu sein, die Technologie-führend dabei ist, die legalen Grenzen zu überschreiten."
Der so entstandene Schaden sei nicht berechenbar, aber sicherlich in Höhe mehrerer Millionen Dollar anzusiedeln.
Beth Scott von der Business Software Alliance [BSA] kommentierte das Urteil: "Wir würden uns nie darüber freuen, dass jemand ins Gefängnis muss. Aber wir akzeptieren das Argument der Verteidigung nicht, dass es ein opferloses Verbrechen war. Ihre Taten haben ganz klar Jobs gefährdet und Auswirkungen auf die Wirtschaft, die Unternehmen und so auch die Konsumenten selbst gehabt."
