Browser-Krieg 2.0 für Hippies
Harald Taglinger betrachtet die Neuauflage des Browser-Kriegs aus der Etappe, nuckelt mit Managern am BlackBerry und hört sich ganz entspannt an, wie die Kreiszahl Pi so klingt. Netzteile, Woche elf.
Stell dir vor, es ist Browser-Krieg ... und keiner startet den Download. Microsoft und Mozilla gehen in das nächste Update. Häuptling "Ballmer" Seattle beschwört donnernd die Zahl "8", Häuptling Feuerfuchs meldet "3.0". Gibt zusammen elf. Das ist aber nicht wichtig.
Microsoft hat ein paar neue Features bekanntgegeben, und die Burschen aus der freien Entwicklergemeinde sagen "Na und, bauen wir ein Plug-in dafür." Auch das ist unwichtig. Ebenso unwichtig wie die Updates an sich.
Denn die Marktanteile sind derzeit gesetzt. Keine Indianerweisheit: Wo sich nichts wirklich Neues tut, da passiert auch sonst nichts. Wie letztes Jahr bei den Betriebssystemen. Windows und Leopard haben auch nicht viel Neues gebracht. Deshalb sollten wir weiterschauen, ob sich sonst etwas tut.
Jodelnde Gangstaz
Auch nichts Neues an der Rapper-Front. Mützerl schief, sechs Finger in die Luft und Hose hochziehen, die Herren. Denn es kommt die ewige Protest- und Gangsterjodelei in die Jahre. Es wird Zeit für eine erste Analyse ohne Berührungsangst.
Jamphat hat ein paar sehr schöne Grafiken zum Wortschatz und Lebensgefühl der bösen Buben mit dem losen Mundwerk zusammengestellt. Die ersetzen Deutschlehrern mit Anbiederungspotenzial die Inhaltsanalyse der lehrkraftgefährdenden Texte. Aber Achtung: die Gangsta-Ausdrucke nicht auf dem Küchentisch liegenlassen!
Am BlackBerry nuckeln
Die Gattin wollte heute Abend noch mit der Frauengruppe den neuen Ausdruckstanz "Kosmos und Vollmond" probieren. Da geht der Schuss nach hinten los und trifft genauso wenig ins Schwarze wie die Warnung einer Kölner Schule vor dem Lehrerbewertungsportal Spickmich.de.
Was verboten ist, macht Spaß. Lehrkräfte mit großem Sicherheitsbedürfnis und schlagfertiger Gattin lassen deshalb eher andere Charts auf dem Sofa liegen. Wie die vom Wall-Street-Fighter. Ganz oben in der Hitliste: der Zusammenhang zwischen sinkenden Kaugummiabsätzen und dem Erfolg des BlackBerry. Kann sein, dass eine ganze Herde mittlerer Manager regelmäßig an den Geräten herumkaut.
Wir mixen
Aber nun zu etwas total Unwichtigem. Ich dachte immer, "In the Mix" habe viel mit Musik zu tun und sei einfach abzuarbeiten. Alle Regler hoch und pinkeln gehen. Von wegen. Vor allem bei Fruchtsäften kann das Mixen eine höllisch komplizierte Angelegenheit sein.
Wanderingabout hat ein Interface dazu in die Welt gesetzt. Bei dem Anblick möchte man sofort auf weiße Milch oder Afri-Cola umsteigen. Wer damit umgehen kann, wird auch Almdudler im Geschirrspüler herstellen können.
Gedankenleser, Pi mal Daumen
Wem die Töne nicht mehr saftig genug daherkommen, der kann mit Audeo trotzdem irgendwie weiterleben und am geistigen Leben teilnehmen. Das System nimmt angeblich die Nervenimpulse auf, die für die Stimmbänder gedacht waren. Und die wandelt es dann in Eingaben für den Computer um.
Wenn also ein Lehrer in eine Küche voller tanzender Gattinnen kommt und bei sich denkt: "Boah, ist das unästhetisch", dann passt er mal lieber auf, dass das sein Laptop nicht mitnotiert und als E-Mail an die Frau schickt.
Ganz andere Töne spuckt eine Site, die die ersten 10.000 Stellen nach dem Komma der Zahl Pi nimmt und in Musik umsetzt. Ein wenig monoton, denn man kann nur die Tonhöhen, nicht die Längen oder Klänge beeinflussen. Das macht es dann musikalisch leider auch wieder unwichtig.
Flatline
Dabei sind Musik und Grafik ja gerade erst dabei, spannend gemixt zu werden. Zum Beispiel, indem man sich in Lastgraph seine eigenen Hörgewohnheiten von last.fm darstellen lässt. Kann dann schon sein, dass man sich ein wenig unwichtig vorkommt, wenn da nur ein langer und langweiliger Balken zu sehen ist.
Man sollte sich eben nicht immer Pi anhören. Netter ist die Idee von Audio Surf. Wer endlich einmal zu seiner ganz persönlichen Musik gamen will, der kann das hier machen. Toll: Das Spiel reagiert darauf und arbeitet diese Musik ein. Also deshalb nichts wie ran.
Am besten etwas Unwichtiges hochladen. So etwas wie den Developer-Song von Steve Ballmer oder "The best of Lehrkörper 1974" oder Pi, rückwärts gesungen. Und dann noch eine Runde gamen. Dann geht die Woche gut zu Ende.
(Harald Taglinger)
