23.03.2005

DIGITAL

Japaner nutzen Handys als Buchersatz

Im technikbegeisterten Japan lesen Zehntausende User Bücher auf ihren Handys, obwohl deren Displays nur einen Bruchteil der Größe der E-Book-Reader haben.

Die Ansicht minimiert sich dadurch auf wenige Zeilen - für Fans von spannenden Romanen allerdings offenbar ein echtes Feature. Es sei schwer zu verstehen, bis man es selber ausprobiert hat, meint etwa Satoko Kajita von Bandai Networks.

Eine Marktstudie zeigt laut Bandai, dass mehr als die Hälfte der Leser Frauen sind, die die Handy-Bücher meist zu Hause lesen und dabei durchaus auch Klassiker.

Neben Klassikern werden auch Anleitungen für sexuelle Tätigkeiten und andere Bücher auf dem Handy gelesen, die die eher prüden Japaner nicht in der Öffentlichkeit lesen oder kaufen würden.

Anderer Stellenwert

Kajita meint, dass die Hintergrundbeleuchtung der Handys die Bücher auch für Eltern nutzbar macht, die neben ihren schlafenden Kindern lesen wollen.

In Japan hat das Handy jedoch auch einen viel höheren Stellenwert als Unterhaltungsmedium, während es hier zu Lande noch hauptsächlich als Kommunikationsgerät betrachtet wird.

Für den größten Mobilfunker des Landes, NTT DoCoMo, bleiben die Handybücher im Vergleich zu Spielen, Klingeltönen und Musik-Downloads allerdings ein Nischengeschäft.

Aber der Markt zeige, dass das Lesen von Büchern auf einem Handy nicht mehr als unglaublich gelte, so Yoshiteru Yamaguchi von NTT.

Interaktiver Content

Die Handybücher haben offenbar einen Vorteil: Sie sind interaktiv. So baut etwa der Autor von "Deep Love", Yoshi, Ideen seiner User in seine neuen Geschichten ein. Sobald der Zugriff auf die Geschichten nachlässt, weil diese offenbar nicht mehr spannend genug sind, kann er zudem gleich reagieren und sie wieder verschärfen.

Es sei wie in einem Club aufzulegen, man merke sofort, wenn das Publikum nicht reagiere, und könne sofort etwas ändern, so Yoshi.