Creative Commons für Entwicklungsländer
Gut zwei Jahre nach seiner Gründung ist Creative Commons zu einem internationalen Projekt geworden.
Weltweit greifen Musiker, Filmemacher, Schriftsteller und Weblogger auf die Lizenzen der Organisation zu, um ihrem Publikum Alternativen zu restriktiven Urheberrechten zu geben. In 24 Ländern gibt es zudem eigene Ableger der Organisation.
Neben Deutschland, Österreich und Japan finden sich darunter auch Länder wie Südafrika, Brasilien und China - Entwicklungs- und Schwellenländer, die bisher kaum für ihre Urheberrechtsindustrien bekannt geworden sind.
Copyright-Aktivisten treffen in diesen Ländern auf völlig andere Ausgangsbedingungen, weiß Heather Ford von Creative Commons Südafrika aus ihrer täglichen Praxis zu berichten: "In Südafrika muss man komplett von Null anfangen und Leuten erklären, wie Copyright funktioniert."
Maßgeschneiderte Urheberrechte
Creative Commons bietet Kreativen die Möglichkeit, sich über das
Internet maßgeschneiderte Urheberrechts-Lizenzen für ihre Werke
zusammenzustellen. Gegründet wurde die Organisation Ende 2002 vom
Stanforder Jura-Professor Lawrence Lessig und zahlreichen
Mitstreitern aus der Wissenschaft und der Netzgemeinde.
Creative Commons
Lawrence LessigNetz statt Wasser
Aktivisten wie Ford stoßen in Europa und den USA immer wieder auf Unverständnis. Häufig wird sie gefragt, ob Menschen in Südafrika nicht andere Probleme hätten.
Sind Wasser und AIDS-Medikamente nicht viel wichtiger als Weblogs und Urheberrechts-Lizenzen?
"Klar, solche Dinge sind wichtig", entgegnet sie. "Doch wir steuern langfristig auf eine Wissensgesellschaft zu, in der Länder von den Produkten ihres Wissens abhängig sind."
Wenn Entwicklungsländern eine Chance in dieser globalen Wissensgesellschaft haben wollten, dann müssten sie Wege finden, von der Verwertung ihres eigenen kulturellen Kapitals zu profitieren - eine Aufgabe, bei der Creative Commons-Lizenzen nach Fords Meinung Gold wert sind.
Bisher gibt es in Ländern wie Südafrika nur wenige Künstler, die das Netz zur Verbreitung ihrer eigenen Werke nutzen. Heather Ford glaubt jedoch, dass die Chancen für Creative Commons in Afrika dennoch sehr gut stehen.
Creative Commons SüdafrikaGute Ausgangsbedingungen
Kunst entstehe dort in vielen Fällen im direkten Austausch mit der Gemeinschaft. "Das ist im Westen nicht der Fall", meint sie.
"Es ist sehr spezifisch für Entwicklungsländer und einer der Gründe dafür, dass Creative Commons in Afrika so viel Erfolg haben wird."
Heute 22:30 im Ö1-Magazin matrix
Janko Röttgers hat Heather Ford an der kalifornischen
Stanford-Universität zum Interview getroffen. Mariann Unterluggauer
fragte Ashok Jhunjhunwala, Professor am Indian Institut of
Technology in Madras, warum sich die Bauern am Land wenig für
geistige Inhalte aus dem Westen interessieren. Und Sonja Bettel
wollte von Peter A. Bruck wissen, welche Ziele er sich als Mitglied
der "UN-Taskforce für Informations- und Kommunikationstechnologien"
gesteckt hat.
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