27.02.2005

MATRIX FORUM

Creative Commons für Entwicklungsländer

Gut zwei Jahre nach seiner Gründung ist Creative Commons zu einem internationalen Projekt geworden.

Weltweit greifen Musiker, Filmemacher, Schriftsteller und Weblogger auf die Lizenzen der Organisation zu, um ihrem Publikum Alternativen zu restriktiven Urheberrechten zu geben. In 24 Ländern gibt es zudem eigene Ableger der Organisation.

Neben Deutschland, Österreich und Japan finden sich darunter auch Länder wie Südafrika, Brasilien und China - Entwicklungs- und Schwellenländer, die bisher kaum für ihre Urheberrechtsindustrien bekannt geworden sind.

Copyright-Aktivisten treffen in diesen Ländern auf völlig andere Ausgangsbedingungen, weiß Heather Ford von Creative Commons Südafrika aus ihrer täglichen Praxis zu berichten: "In Südafrika muss man komplett von Null anfangen und Leuten erklären, wie Copyright funktioniert."

Netz statt Wasser

Aktivisten wie Ford stoßen in Europa und den USA immer wieder auf Unverständnis. Häufig wird sie gefragt, ob Menschen in Südafrika nicht andere Probleme hätten.

Sind Wasser und AIDS-Medikamente nicht viel wichtiger als Weblogs und Urheberrechts-Lizenzen?

"Klar, solche Dinge sind wichtig", entgegnet sie. "Doch wir steuern langfristig auf eine Wissensgesellschaft zu, in der Länder von den Produkten ihres Wissens abhängig sind."

Wenn Entwicklungsländern eine Chance in dieser globalen Wissensgesellschaft haben wollten, dann müssten sie Wege finden, von der Verwertung ihres eigenen kulturellen Kapitals zu profitieren - eine Aufgabe, bei der Creative Commons-Lizenzen nach Fords Meinung Gold wert sind.

Gute Ausgangsbedingungen

Kunst entstehe dort in vielen Fällen im direkten Austausch mit der Gemeinschaft. "Das ist im Westen nicht der Fall", meint sie.

"Es ist sehr spezifisch für Entwicklungsländer und einer der Gründe dafür, dass Creative Commons in Afrika so viel Erfolg haben wird."