Ansturm auf Geheimdienst-Liste im Netz
In Polen sorgt die nicht genehmigte Veröffentlichung einer Liste mit den Namen von 240.000 ehemaligen Geheimagenten aus der Zeit des Kalten Krieges und der von ihnen ausspionierten Menschen für Wirbel.
Die im Netz veröffentlichte Kopie der Liste wird hunderttausendfach angeklickt und ist die von den Polen derzeit am meisten genutzte Website, wie die polnische Tageszeitung "Rzeczpospolita" am Samstag berichtete.
Inzwischen kursieren im Internet bereits verschiedene Versionen, einige davon mit offensichtlichen Manipulationen.
Ein Leser der "Gazeta Wyborcza" will in einer der Versionen sogar den Namen des ehemaligen US-Präsidenten Richard Nixon gefunden haben. Außerdem geben viele Websites falsche Anweisungen, wie die Kürzel auf der Liste zu interpretieren sind. So heißt es auf einer Seite, die Ziffer 0 bezeichne einen inoffiziellen Mitarbeiter des Geheimdienstes. Tatsächlich weist diese Markierung auf Personen hin, deren Anwerbung dem Geheimdienst misslang.
Anders als Deutschland oder Tschechien hat Polen die Archive aus der kommunistischen Zeit noch nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die inzwischen "Lista Wildensteina" genannte Auflistung der Namen wurde von dem Journalisten Bronislaw Wildstein vor etwa zwei Wochen heimlich im Archiv des polnischen Instituts für die nationale Erinnerung kopiert. In alphabetischer Reihenfolge enthält sie die Namen ehemaliger Agenten, von Mitarbeitern des Geheimdienstes sowie von deren Opfern.
ORF.at berichtet
