30.01.2005

MATRIX FORUM

Straßen und Häuser als "Datenträger"

Es ist eine Zukunftsvision, die schon bald Wirklichkeit werden wird: Man geht durch die Stadt und bewegt sich zugleich durch einen Informationsraum, in dem jede Straße, jedes Haus, jedes Geschäft, jede Parkbank, jeder Baum einen virtuellen Informationsschatten wirft.

Jedes physische Objekt soll dabei von Texten, Bildern oder Tönen umgeben sein, die sich mit dem Handy oder Handheld einfach abrufen lassen.

Das technische Prinzip dahinter ist einfach: Mittels GPS oder automatisch erfolgender Positionsbestimmung durch die Peilsender der Mobilfunkbetreiber wird der genaue Standort eines Nutzers auf den Meter genau ermittelt und ihm in der Folge Information zu seinem aktuellen Standort zugeschickt.

Pilotprojekt in London

Der Londoner Stadtteil Bloomsbury ist Ausgangs- und Mittelpunkt für ein LBS-Projekt, bei dem nach Anwendungsmöglichkeiten abseits von Kommerz und Entertainment gesucht wird.

"Urban Tapestries" heißt es und es setzt ganz auf das Konzept des "Public Authoring": Dabei sind es die Anwohner und Passanten, die die neuen virtuellen Informationsräume gestalten und dort ihre Anmerkungen, Notizen, Hinweise in multimedialer Form hinterlassen.

Die Macher von "Urban Tapestries" verstehen ihr Projekt weniger als "Location Based"-Technologie und mehr als "Relationship"-Technologie: Es geht um die soziale Anwendung der Technologie. Im Mittelpunkt stehen das Wissen der Menschen und wie sie dieses kommunizieren und mit anderen teilen wollen.

User sorgen für die Inhalte

"Urban Tapestries" stellt dabei nur die technische Infrastruktur zur Verfügung und erzeugt selbst keinen Content. Für die Inhalte sorgen ausschließlich die User selbst.

"Der Hauptunterschied zwischen uns und den meisten anderen 'Location Based Services' ist, dass der Inhalt für gewöhnlich von einem Medienunternehmen erzeugt und dann an die Leute geliefert wird. Nach diesem traditionellen Modell funktionieren auch Zeitungen und Fernsehen: In der Mitte sitzt ein Content-Erzeuger, der ringsum alle mit Inhalten beliefert.

Das ist okay, wenn es um Technologien des 20. oder 19. Jahrhunderts geht. Mobiltelefone sind aber eine Netzwerktechnologie des 21. Jahrhunderts. Wir haben deshalb unser System so konstruiert, dass der Content von den Usern selbst erzeugt und weiterverbreitet wird", so "Urban Tapestries"-Initiator Giles Lane.

Soziale Standards setzen

Nach den zwei großen Feldversuchen soll "Urban Tapestries" nun in einer Reihe von kleineren Projekte getestet und weiterentwickelt werden. Vor kurzem wurde in Zusammenarbeit mit einer Schule das erste dieser Projekte gestartet.

Dabei sollen Schüler im Alter von elf und zwölf Jahren mit Hilfe der "Location Based"-Technologie ihre unmittelbare Umgebung erforschen und so die Kunst des assoziativen Lernen lernen.