14.01.2005

"NEUTRON JACK"

Management-Ikone Jack Welch in Wien

Jack Welch, 20 Jahre lang bis zu seiner Pensionierung 2001 Chef des US-Unternehmens General Electric, weilt anlässlich des Consulting-Kongresses "com.sult 05" in Wien.

Bekannt durch hemdsärmelige Auftritte gepaart mit einem untrüglichen Gespür für geschäftliche Entscheidungen, ist Jack Welch bereits Zeit seines Lebens zur Management-Ikone avanciert.

Er führte das Unternehmen General Electric [GE] an die Spitze - mit derzeit rund 400 Mrd. Dollar Börsenwert das größte US-Unternehmen. Sein Ziel war stets, die Aktionäre mit guten Bilanzen zufrieden zu stellen.

In den achtziger Jahren, als er rund 100.000 der damals 400.000 Mitarbeiter des Megakonzerns abbaute, erhielt er den Spitznamen "Neutron Jack" - in Anspielung auf die Neutronenbombe, die Menschen tötet, Gebäude jedoch intakt lässt.

"Competitiveness, competitiveness, competitiveness",

Von einer guten Führung verlangt er, "stets die Mitarbeiter wissen zu lassen, wo sie stehen". Ein Mitarbeiter, der als entbehrlich betrachtet wird und dies mitgeteilt bekommt, gehe ohnehin meist von selbst.

Er selbst habe niemals jemanden gekündigt - die Mitarbeiter hätten die Firma verlassen, meint Welch lakonisch, angesprochen auf seinen Ruf als gnadenloser Personaloptimierer.

Was Unternehmen heute benötigen, um sich global zu behaupten? "Competitiveness, competitiveness, competitiveness", postuliert Welch, beinahe beschwörend. Und um wettbewerbsfähig zu bleiben, sollen Unternehmen vor allem auf ihre Mitarbeiter setzen. Gerade deswegen sei es wichtig, die Spreu vom Weizen zu trennen, fasste er in früheren Interviews zusammen.

Während der einfache Arbeiter vor allem den Leistungsdruck zu spüren bekam, ortete das Management durchaus humane Züge am Über-CEO. Einem Mitarbeiter, der vor lauter Nervosität bei einer Präsentation vor dem CEO zu zittern begann, ließ er nachher eine Flasche Dom Perignon zukommen mit dem Hinweis, er hätte großartige Arbeit geleistet.

Einem Manager, der eine Beförderung nicht annehmen wollte, weil seine Tochter die Schule hätte wechseln müssen, schrieb er einen Brief, in dem er Respekt vor der persönlichen Entscheidung zeigte.

Der heute 69-Jährige verzichtete nach seinem Abgang auf ein General-Electric-Aktienpaket - das übrigens heute 250 Mio. Dollar wert wäre - und hat dafür unbegrenzten Zugriff auf den GE-Firmenjet [Kosten: zwei Mio. Dollar pro Jahr].

Damit besucht er Universitäten und Manager weltweit, um von seiner Art der Unternehmensführung zu erzählen. Jahrelang von diversen Medien zum einflussreichsten Manager gewählt, wurde er erst heuer im Financial-Times-Ranking von Bill Gates abgelöst.