Die Zukunft des Tauschens
"Gefährlich wären Leute, die Filme herunterladen und ohne diese Möglichkeit ins Kino gegangen wären", so Mark Cuban, der unter anderem die größte Arthouse-Kinokette der USA besitzt. "Diese Leute fallen wirklich nicht ins Gewicht. Oder besser gesagt:
Es kostet mehr, sich gegen diese Leute zu wappnen, als ihre Eintrittsgelder wert sind."
Der Mittvierziger gründete vor rund zehn Jahren die Streaming-Media-Plattform Broadcast.com. Während des Dotcom-Booms verkaufte er die Firma für knapp sechs Milliarden Dollar an Yahoo. Ein gutes Stück dieses Gelds hat Cuban heute in Entertainment-Firmen investiert.
Neben 58 Kinos gehören dazu auch zwei Fernsehsender, eine Produktionsfirma und ein Filmvertrieb. Seine Film-Firmen konzentrieren sich auf kleine, anspruchsvolle Produktionen wie etwa den Oscar nominierten Dokumentarfilm "Control Room" über
den arabischen Nachrichtensender Al Jazeera. Cuban geht es bei diesen Investitionen jedoch nicht um die Liebe zur Indie-Filmkunst. Er will aus der Nische heraus die Industrie umkrempeln. Eine Industrie, die vor nichts mehr Angst hat als vor Veränderung.
Kritik am Kurs der Hollywood-Riesen
Mark Cuban im Interview mit Janko Röttgers: "Der Kampf gegen Piraterie ist vergleichbar mit dem Krieg gegen Drogen. Jeder muss gegen Drogen sein, aber alle, die du kennst, haben schon mal welche genommen. Und du weißt, das es ein verlorener Kampf ist. Es ist heute politisch korrekt, gegen Piraterie zu
Morpheus-Pionier im Interview
Michael Weiss ist Chef der südkalifornischen Firma Streamcast Networks, die das Tauschbörsen-Programm Morpheus vertreibt. Glaubt man den Vertretern der US-Entertainment-Industrie, dann ist er damit ein Cyber-Verbrecher. Jemand, der das Netz ausnutzt, um
von den Sünden anderer zu profitieren.
Weiss erinnern solche Vorwürfe unweigerlich an die späten Siebziger. Damals sah er sich mit ganz ähnlich bösen Worten konfrontiert: "1978 eröffnete ich den dritten Videoladen der Welt. Einige meiner Kunden kamen in meinen Laden und meinten: Mike,
wir wollen keine 90 Dollar für einen Film ausgeben. Können wir ihn für 5 Dollar ausleihen? Als wir mit dem Verleih begannen, meldeten sich die Studios und forderten: Ihr müsst damit aufhören! Wenn ihr nicht aufhört, werden wir euch verklagen."
Michael Weiß schloss sich damals mit anderen Videohändlern zusammen und stellte sicher, dass der Verleih von Filmen weiterhin legal blieb. Hollywood sollte ihm dafür dankbar sein: 25 Jahre später
geht es der Filmbranche nicht zuletzt wegen dem Verleih und Verkauf von DVDs besser denn je. Doch Weiss kämpft heute abermals mit Hollywood. Vor mehr als drei Jahren verklagten sie seine Firma gemeinsam mit den großen Plattenfirmen, um die Einstellung des Morpheus-Produkts zu erwirken.
Streamcast Networks gewann über zwei Instanzen. Mitte Dezember erklärte schließlich der Oberste Gerichtshof der USA, sich des Falles anzunehmen. Erste Anhörungen sind für März geplant. Anwälte der Musik- und Filmindustrie werden dann argumentieren, dass Weiß Kontrollmechanismen in seine Software integrieren
könnte, wenn er denn nur wollte.
"Sony hätte auch auf den Aufnahmeknopf des ersten
Videorecorders verzichten können. Die Entertainment-Industrie nutzt dieses Argument seit hundert Jahren. Doch wir wollen nicht auf ihr Einverständnis angewiesen sein. Wenn Firmen dies bräuchten, dann gäb es heute kein Radio, kein Fernsehen, keine MP3-Player, keine Videorecorder, keine Videotheken und kein
Morpheus."
Kritiker der Entertainment-Industrie befürchten nun, dass ein Urteil gegen Morpheus weit reichende Folgen für Technologie-Entwickler haben könnte. Eric Garland von der in Los Angeles ansässigen P2P-Analyse-Firma Big Champagne meint dazu: "Tatsächlich geht es dabei um das Kaltstellen eines Gebiets technologischer
Entwicklung, sowohl was die Finanzierung als auch das Interesse großer Firmen angeht. Ich glaube, dass Firmen wie Apple, Microsoft oder auch AOL erheblich von jenen Innovationen profitieren könnten, die zu Technologien wie Napster oder Kazaa geführt haben."
Heute 22:30 im Ö1-Magazin matrix
Janko Röttgers protokolliert den Streit um
die Filesharing-Business-Modelle. Und das
sind die Themen im einzelnen: BitTorrrent - der Kampf gegen das Film-Napster; Snocap - der Versuch, legales Filesharing profitabel zu gestalten; Innovationsort Programmkino - Die großen Pläne des Mark Cuban
BitTorrent-Das beliebteste Tauschprogramm
