Senioren als Technik-Zielgruppe verkannt
Computertechnik und Unterhaltungselektronik dominiert auch in diesem Jahr das Weihnachtsgeschäft
- aber für Senioren, die ein einfaches Handy oder einen unkomplizierten DVD-Player suchen, ist selten etwas dabei.
Dass die Älteren nicht nur Pflegefälle, sondern oftmals kaufkräftige Kunden sind, hat sich mittlerweile auch in der Wirtschaft herumgesprochen. Doch mit entsprechenden Produkten tun sich die Hersteller immer noch schwer.
"Es gibt weltweit kein wirklich erfolgreiches Seniorenprodukt außer dem Blutdruck-Messgerät fürs Handgelenk mit einem Knopf", sagt Darius Khoschlessan, Gründer von Senio, Deutschlands erstem Fachhandel für Seniorenbedarf. Die Orientierung der Hersteller an der technikverliebten und spielversessenen Jugend stellt die Älteren oft vor unlösbare Probleme.
Ein gutes Beispiel sind winzige Handys mit noch winzigeren Tasten, schlecht lesbaren Displays, kryptischen Symbolen und umständlicher Menüführung. Auch an den zahllosen Funktionen bei Video- oder DVD-Rekordern, Stereoanlagen und Fernbedienungen könnten viele schier verzweifeln, vom Computer ganz zu schweigen.
Auf der CeBIT 2004 stellte das deutsche Unternehmen Vitaphone ein GSM-Mobiltelefon speziell für die ältere Bevölkerungsschicht vor. Das "Vitaphone Mobi-Click Senior-Tel" verfügt über nur drei Tasten. Zwei davon können vom Benutzer mit beliebigen Rufnummern belegt werden, die dritte dient der Notruffunktion und verbindet im Ernstfall direkt mit einem Service-Center.
Ein Handy speziell für SeniorenNeue Produkte erfordert
Dass die vermeintlich seniorengerechten Produkte oft an den Bedürfnissen der Älteren vorbeigehen, weiß auch Lutz Kubitschke, Projektleiter bei der Bonner Forschungsgesellschaft empirica, aus jahrelanger Erfahrung.
Die Anbieter verbinden mit Senioren noch immer Defizite wie schlechtes Sehvermögen oder eingeschränkte Bewegungsfähigkeit, bemängelt er.
Die Hersteller müssten zuerst erkennen, dass sich Senioren nicht nach dem Alter definieren lassen, sagt Kubitschke. Eine europaweite Umfrage ergab, dass sich gebildete Menschen über 70 gerne an den Computer heranwagen, während sich etwa 50-Jährige mit geringerer Bildung der Technik eher verschließen.
"Diese Erkenntnis erfordert neue Produkte, keine größeren Bildschirme." "Simple Technik, da müssen wir wieder hin", ist auch Khoschlessan überzeugt. "Denn früher oder später betrifft das Älterwerden uns alle."
