12.12.2004

MATRIX FORUM

Österreich und das Grid-Computing

Für die Suche nach neuen Medikamenten, die Simulation der Klimaänderung oder Experimente zur Ergründung des Ursprungs des Universums brauchen Wissenschafter viel Rechenleistung und große Datenspeicher, die von einzelnen Institutionen nicht mehr finanzierbar sind.

Aus diesem Grund werden derzeit weltweit Computing Grids aufgebaut - also Gitter von Rechnern, die zusammengeschaltet eine Art Super-Supercomputer ergeben.

Grid-Computing

Grid-Computing ist der Zusammenschluss von

Rechenleistungen über Breitband-Netze.

Dafür müssen Rechenaufgaben in

Einzelschritte unterteilt werden, um sie

von verschiedenen Rechnern abarbeiten

lassen zu können. Sind die einzelnen

Aufgaben erledigt, müssen sie wieder zu

einem sinnvollen Ganzen zusammengefügt und

Europäische Forschung

In Europa wird seit einigen Monaten am EGEE-Projekt der Europäischen Union gearbeitet, das mit vollem Namen "Enabling Grids for E-Science in Europe" heißt. Im Rahmen des Projekts soll ein robustes und sicheres Grid für Wissenschaft und Forschung in allen beteiligten europäischen Ländern aufgebaut werden.

Zweiter Schwerpunkt ist die Verbesserung und Wartung der Grid Middleware, um den Benutzern zuverlässige Dienste zur Verfügung

Middleware

Middleware macht Rechner grid-fähig. Die

Middleware befindet sich zwischen

Betriebssystem und Software und sorgt

dafür, dass Aufgaben sinnvoll auf

unterschiedliche Rechner mit

unterschiedlichen Betriebssystemen,

unterschiedlicher Software und

unterschiedlicher Rechenleistung verteilt

werden. Middleware organisiert den

Transport komplexer Daten, vermittelt

Funktionsaufrufe zwischen den Komponenten

oder stellt die Transaktionssicherheit

über ansonsten unabhängige Teilsysteme

Data-Grid des CERN

Zu den wichtigsten Projekten in Europa zählt das Data-Grid des Kernforschungszentrums CERN, das für den Teilchenbeschleuniger "Large Hadron Collider" oder kurz LHC notwendig wird, der im Jahr 2007 in Betrieb gehen soll.

Für Experimente zur Erforschung des

Urknalls werden im Beschleuniger alle 25 Nanosekunden zwei Protonenstrahlen aufeinandergeschossen. Dabei entstehen pro Sekunde eine Milliarde physikalischer Wechselwirkungen und damit eine Unmenge von Daten, die gespeichert und ausgewertet werden müssen.

Da dafür nicht einmal das riesige Rechenzentrum des CERN ausreicht, sollen Daten und Rechenaufgaben weltweit auf Rechner verteilt werden. Derzeit werden am Kernforschungszentrum etwa 70 Rechenzentren weltweit miteinander verbunden, im Laufe der

nächsten Jahre sollen es mindestens doppelt so viele werden. Alle Forscher, die mit Daten des CERN arbeiten, sollen so Zugriff auf ein riesiges Rechner-Gitter haben - egal, wo sie sitzen.

Austrian Grid

Am Aufbau des Austrian Grid sind das

Institut für Graphische und Parallele

Datenverarbeitung der Universität Linz,

das Institut für Informatik der

Universität Innsbruck, das Institut für

Hochenergiephysik der Akademie der

Wissenschaften und das Research Institute

for Symbolic Computation (RISC) in

Hagenberg beteiligt.

Am RISC wird zum Beispiel gemeinsam mit

der Upper Austrian Research an einer

Simulation gearbeitet, mit der eine

Augenoperation besser geplant werden kann.

Durch die Anbindung an ein Rechner-Grid

soll jeder Arzt die aufwendige Berechnung

und Visualisierung einfach von seinem PC

Hochwasser-Simulation

Das Institut für Graphische und Parallele Datenverarbeitung der Universität Linz entwickelt gemeinsam mit der Slowakischen Akademie der Wissenschaften ein Grid für die Simulation von

Überflutungsszenarien.

Für diesen Zweck wird eine Kaskade von meteorologischen, hydrologischen und hydraulischen Simulationen benötigt. Auf einem vorhandenen IBM Supercomputer des slowakischen hydrometeorologischen Instituts benötigt eine solche Kaskade derzeit ca. 1,25 Stunden für einen Vorhersagezeitraum

von 48 Stunden und einen relativ kleinen Bereich von 50 Quadratkilometern.

Rechnerleistung als Spende

Weil private Computer oder auch Rechner in Firmen oft nur minimal ausgelastet sind, sollen auch sie im Dienste der Forschung arbeiten können. Beim Projekt SETI@home kann man schon seit fünf Jahren

seine freie Rechenleistung quasi als Spende zur Verfügung stellen, um bei der Suche nach Ausserirdischen zu helfen.

Heute 22:30 im Ö1-Magazin matrix

Ob Simulation des Klimawandels, die Suche

nach neuen Medikamenten gegen Krebs oder

die Suche nach Hinweisen auf Außerirdische

- auf die Idee, viele kleinere

Rechner zu einem "Grid" zu vernetzen und

gemeinsam Rechen-Jobs abarbeiten zu

lassen, setzen immer mehr

Universitäten, Forschungseinrichtungen und