Wahlcomputer bleiben unter Verdacht
Die Wahl des US-Präsidenten ist entschieden und George W. Bush für die nächsten vier Jahre wiedergewählt - doch die Diskussionen um die elektronischen Wahlmaschinen halten an.
Wissenschaftler der Universität Berkeley haben eine Analyse der in Florida abgegebenen Stimmen durchgeführt und sind zu einem für sie signifikanten Schluss gekommen:
In jenen Teilen, wo Wahlcomputer zum Einsatz kamen, stieg die Zahl der Stimmen für Bush überdurchschnittlich und unerklärlich im Vergleich zur statischen Vorhersage an, und zwar im Verhältnis zu den in den jeweiligen Bezirken registrierten Demokraten.
Zwar wollen sie ihre Ergebnisse nicht als Beweis für etwaige Ungereimtheiten bei der Stimmzählung verstehen, doch sie deuten einen Zusammenhang zwischen der Art der verwendeten Wahlmaschinen und der für Bush abgegebenen Stimmen an. Die Ergebnisse seinen ein "Rauchalarm".
Da die Wahlcomputer in Florida allerdings keinen Papierausdruck liefern, könne eine Überprüfung nur anhand von statistischen Vergleichen passieren, so die Wissenschaftler in ihrem Bericht. Dazu wurden die Wahlergebnisse von 1996 und 2000 herangezogen, aber auch demographische Faktoren wie Einkommen.
Die AnalyseBis zu 260.000 mehr Stimmen
Michael Hout, Laura Mangels, Jennifer Carlson und Rachel Best rechnen vor, dass Ungereimtheiten im Zusammenhang mit der elektronischen Stimmabgabe dem bestätigten Amtsinhaber zwischen 130.000 und 260.000 Stimmen einbrachten. Sie forderten eine offizielle Untersuchung und Erklärung der Ergebnisse.
Bush hat in Florida laut offiziellen Stellen mit einem Vorsprung von 381.000 vor John Kerry gewonnen. Eine solche Analyse in Ohio habe keine Anomalien aufgezeigt, so die Wissenschaftler.
Die Website USTogether.org hat bereits vorher auf die statistischen Anomalien in den Wahlergebnissen Floridas hingewiesen.
Deren Analyse zeigt, dass in jenen Gebieten wo die Republikanische Partei mehr Stimmen, als von den Registrierungen her zu erwarten gewesen wäre, erzielte, optische Scanmaschinen verwendet wurden.
Wissenschaftler der US-Universitäten Harvard, Standford und Cornell weisen ihrerseits aber darauf hin, dass diese Maschinen hauptsächlich in den ländlichen Gebieten in Verwendung stehen und dass die dort registrierten Demokraten bei den letzten vier Präsidentschaftswahlen für die Republikaner gewählt hätten. Etwaige Anschuldigen seien nach ihren Schlussfolgerungen grundlos, so Walter Mebane von der Cornell Universität.
Diskussion über Erfolg der WahlcomputerAusdrucke als Belege
Eine vom unabhängigen Präsidentschaftskandidaten Ralph Nader initiierte Neuauszählung in New Hamsphire zeigte einstweilen noch keine signifikanten Änderungen bei der Stimmverteilung - dafür aber den Vorteil von gedruckten Belegen.
Nader beantragte die neuerliche Auszählung einer kleinen Zahl von Stadtbezirken, nachdem eine statistische Analyse von Ida Briggs gezeigt hatte, dass Bush mehr Stimmen als erwartet bekommen hatte - auch hier waren optische Scanner im Einsatz, hergestellt von der US-Firma Diebold. Dabei wird weiter auf Stimmzettel abgestimmt, diese dann aber eingescannt - die Zettel bleiben für mögliche Neuauszählungen erhalten.
Für Nader-Sprecher Kevin Zeese zeigt dies, dass gedruckte Belege der Stimmabgabe eine wichtige Grundlage bei der Diskussion um die Zuverlässigkeit der Wahlmaschinen ist. Nachdem bisher keine Unregelmäßigkeiten bewiesen werden konnten, sieht er die Verantwortung für den Wahlausgang vielmehr bei den Demokraten.
