Netzteile
Bruchstücke aus dem Großen & Ganzen: Woche 8
Guten Morgen, verehrte Leserschaft. Statt der bisher üblichen Wochenrückblicke wird nun Harald Taglinger samstags einige kommentierte Links zu den Themen präsentieren, die uns in den letzten paar Tagen so umgetrieben haben. Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre.
Ohne Politik geht es nicht mehr in der Branche. Denn mit Geld geht es gar nicht. Darüber kann speziell Microsoft eine ganze Operette singen. Für Konzernchef Steve Ballmer wird unterdessen alles immer teurer.
Polarisiert
Der Microsoft-Chef dürfte mittlerweile über unsere Inflationsraten lachen. Kein Wunder, dass seine Firma deshalb die Politik bemüht.
"Bemüht" ist dabei das in mehrerlei Hinsicht richtige Wort. Flugs wurde aus der MSN-Suchmaschine ein waschechtes US-Wahlkampfdebattengerät.
Sex und Krieg
Sogar zu "Sex" hat die rechte [oder linke] Dame etwas zu sagen. Und ihr männliches Pendant kann der User gerne zum Stichpunkt "War" befragen, ein Thema, das die meisten Menschen ja eher sprachlos macht. Aber die US-Medienmacher verpacken sogar das unterhaltsam. Man staunt.
Die eigenen Server verkauft Microsoft nicht mehr einfach so aus der Schuhschatel. Die Kampagne dazu gleicht einer bemüht politischen Sendung.
Sonnenaufgang über Neo-Bolivien
Bemüht geht auch der Schweizer Provider Sunrise mit Politik und Werbung um. Dessen Gratis-Internet ist zwar keines. Aber er wirbt dafür mit Che Guevara. Weil sein Kopf immer mit Freidenkern verbunden wird.
Aber wir wissen: die Rechnung kommt immer danach. Bei Sunrise bezahlt man dann einen Festnetzanschluss und einen Handyvertrag zusätzlich. In Südamerika mit dem Leben.
Zero Comments
"Die Wohlgesinnten". Mehr muss man fast nicht mehr sagen. Medienappetenz. Nazis funktionieren zumindest in den Medien recht gut. Weltweit. Und die "F.A.Z." nimmt das zum Anlass für ein Online-Dossier zum Roman.
Wir meinen: zum Davonlaufen. Auch sonst scheint keiner zu bleiben. Das Ergebnis? Null Kommentare der Leser. Web 2.0 geht anders.
Tim O'Reilly
Aber wie? Wir blicken zurück und treffen wieder auf die Mutter aller Blasen und Hypes, auf Tim O'Reillys Businessweltverbesserungstext von damals. Es lohnt sich wieder einmal ein Blick darauf. So viel war da gar nicht neu daran.
Ganze 14 Zeilen. Genügte nach ".com" für die zweite Welle: "Jetzt werden wir alle bessere Menschen und 2.0." Heraus kamen die ewig gleichen Websites mit runden Ecken. Auch bemüht. Dabei ist Interaktion nichts Neues.
Denkwolke
Da bemüht sich zum Beispiel einer um eine Ablenkung. Zu viele Massive-MultiPlayer-Games. Deshalb programmiert er eine kleine nette Anwendung.
Und das geht so: "Ich sage Dir ein Wort. Du sagst mir spontan eines dazu. Ich speichere das in einer Datenbank. Ich sage Dir dann ein neues Wort. Und Du bemühst Dich noch einmal. Und ein anderer sieht sich das dann als Netz voller Bubbles an." Geht und baut ein Wortfeld. Nett. Die liebe Art des Miteinander.
Spion
Böseböse ist natürlich etwas anderes. Wenn zum Beispiel eine Website Deine Browser-History ausliest.
Dann kannst Du tolle Dinge auf der Seite erleben. Willkommensmeldungen wie "Na, brauchen wir nach drei Stunden nackter Haut etwas News?"
Das kann anstrengen. Deshalb ist das ein Politikum. Und Programmierer brauchen sich hier keine Mühe zu machen. Die hat vielleicht sonst die Usergemeinde damit. In Europa. Wo derzeit ganze Staaten pubertieren und selbstständig werden.
Cyberpickel
Weil wir gerade dabei sind: Für alle Pubertierten noch ein Tipp. Pickel kann man sich auch am Computer entfernen.
Papier ohne Baum
So. Seien wir am Schluss noch einmal bemüht. So wie das ipaper. Das ist "free" wie die Sonne. Und einbindungsfähig. Damit man ohne Word Dokumente im Web zeigen kann. Vermutlich wird das deshalb auch Ballmer aufkaufen. Übersprungshandlung wegen Yahoo. Microsoft kann nicht nicht kaufen.
Harald Taglinger arbeitet seit Mitte der 90er im und mit dem Internet. Er lebt in Zürich und schreibt unter anderem für deutschsprachige Medien über digitale Innovationen.
(Harald Taglinger)
