Die Sims als Online-Seifenoper
Ein strubbeliger Trottel, ein skeptischer Brillenträger, ein Kampfsport-Freak und ein wütender älterer Herr gehören zu den Charakteren der neuen Online-Soap-Opera "The Strangerhood".
Das Besondere daran: Die Strangerhood-Show wurde komplett mit dem Computerspiel "Die Sims 2" realisiert.
Jede Szene wurde in zahllosen Einstellungen abgefilmt und dann auf dem Computer zusammengeschnitten. Produziert wird die Show von dem Animations-Team Rooster Teeth Productions, dass zuvor schon eine Comedy-Show mit dem Microsoft-Spiel Halo realisiert hat.
Matt Hullum von Rooster Teeth Productions:
"Die Idee der Strangerhood-Serie ist, dass wir eine Gruppe von
Leuten mit komplettem Gedächtnisverlust haben. Der Witz daran ist:
Genau so beginnt das Sims-Spiel. Wir fragen uns: Okay, was wär, wenn
diese Leute echte Gedanken und echte Gefühle hätten und wissen
wollten, was eigentlich los ist?"
Rooster Teeth ProductionsVideogames als Filmproduktions-Tools
Das Produzieren von Filmen mit Computerspiele wird im Netz als Machinima bezeichnet. Mittlerweile gibt es weltweit einige hundert Machinima-Produzenten.
Sie drehen Kurzfilme, Serien und abendfüllende Spielfilme mit Spielen wie Die Sims, Counterstrike oder Max Payne. Anstelle teurer Hardware setzen sie auf heimische PCs. Manch ein Machinima-Produzent realisiert seine Werke sogar mit einer Playstation oder einer Xbox.
Nachdem die Szene lange Zeit nur Insidern bekannt war, wird Machinima mit Projekten wie der Strangerhood-Show immer populärer. Matt Hullum von Rooster Teeth berichtet, dass er mit jeder Fogle bis zu eine Millionen Zuschauer pro Woche erreicht.
Unterstützung bekommt sein Team mittlerweile vom Sims-Hersteller Electronic Arts, der sich von der Show einen Werbeeffekt für sein Spiel verspricht.
Die Sims 2Jede Menge Grauzonen
Trotz solcher Kooperationen begeben sich Machinima-Produzenten beständig in Grauzonen. Probleme können sie beispielsweise für das Adaptieren bekannter Film-Motive bekommen, erklärt der kalifornische Copyright-Experte Ernest Miller: "Leute produzieren Storm Trooper und Darth Vader, um sie in ihre virtuellen Filme zu integrieren."
Firmen wie Lucasfilms würden sehr viel penibler über ihr Eigentum wachen als Spielehersteller. Dabei helfe es wenig, dass einige dieser Adaptationen nach amerikanischen Recht völlig legal seien, meint Miller. "Hast du wirklich das Geld für einen Gerichtsprozess?"
Heute 22:30 im Ö1-Magazin matrix
Janko Röttgers hat sich in Los Angeles mit Machinima-Produzenten
und Kennern der Szene unterhalten. Im zweiten Beitrag begibt sich
Richard Brem auf die Spuren des österreichischen Erfinders Curt
Herzstark und der Welt erstem Taschenrechner. Anlass dafür ist
William Gibsons Roman "Pattern Recognition", der vor kurzem unter
dem Titel "Mustererkennung" auch auf Deutsch erschienen ist. Darin
gibt es eine Nebenhandlung, die sich um Curt Herzstark und die von
ihm im KZ Buchenwald entwickelte mechanische Rechenmaschine, die
sogenannte "Curta" dreht.
Von der Xbox auf die Leinwand
matrix zum Download für Ö1-Clubmitglieder
