Moorhuhn-Macher stehen vor Gericht
Die Moorhuhn-Erfinder gehörten einst zu den Lieblingen des neuen Marktes. Als Phenomedia im November 1999 an die Börse ging, wurden die Manager zum Inbegriff der erfolgreichen Jung-Unternehmer.
Nun stehen die Macher des populären PC-Games vor Gericht. Die deutsche Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die sechs Angeklagten rund 15 Mio. Euro in die Bilanzen eingebaut und den Kurs der Aktie damit auf verbotene Weise in die Höhe getrieben haben.
Zum Prozessauftakt hat Markus Scheer, Ex-Vorstandsvorsitzender der Phenomedia, bereits Fehler zugegeben. Am Rande des Verfahrens machte er dafür aber auch die Dynamik am Neuen Markt verantwortlich. "Was da passiert ist, hatte mit normalen Welten nichts zu tun. Es war völlig verrückt, vielleicht sogar krank", so Scheer.
Schubkarrenweise hätten die Banken damals Geld in sein Unternehmen gekarrt. Man habe sich groß gefühlt, aber schlecht beraten lassen.
Insgesamt wurden drei Ex-Vorstände, eine Buchhalterin und zwei Manager von Tochter-Unternehmen der Phenomedia AG angeklagt. Sie alle sollen dazu beigetragen haben, Anleger und Geschäftspartner mit falschen Meldungen und Jahresabschlüssen zu täuschen.
Moorhuhn hat neuen EigentümerAuf ihre Frage, ob ein börsennotiertes Unternehmen nicht ein Senior-Management brauche, hätten ihnen die Kredit-Institute folgenden Ratschlag gegeben: "Holen Sie sich ja keine alten Säcke an Bord, der Neue Markt will junge Köpfe sehen." Und genau das hätte man dann auch befolgt. Was nach Scheers Meinung rückblickend ein großer Fehler war.
Um die Bilanzfälschung zu verdecken sollen sich die Angeklagten zwischen 1998 und 2002 ein raffiniertes System aus Scheinrechnungen und Luftbuchungen aufgebaut haben. Auch von Urkundenfälschung ist die Rede. Außerdem wird fünf der sechs Angeklagten vorgeworfen, sich durch verbotene Insidergeschäfte persönlich bereichert zu haben.
Die Phenomedia-Aktien waren im November 1999 mit einem Wert von 22,90 Euro an der Börse gestartet. Der höchste Wert wurde mit rund 90 Euro erreicht. Beim Börsencrash im Mai 2002 fielen sie auf 85 Cent. Heute gelten sie als praktisch wertlos.
