Vorwürfe gegen Ex-Siemens-Topmanager

Korruption
09.02.2008

Der Anti-Korruptionsbeauftragte von Siemens, Andreas Pohlmann, hat die Schmiergeldaffäre des Konzerns als "Führungsproblem" bezeichnet.

Pohlmann erhob in einem am Samstag veröffentlichten Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" schwere Vorwürfe gegen das frühere Siemens-Topmanagement. "Das, was wir als Korruptionsskandal bei Siemens sehen, war eindeutig ein Führungsproblem", sagte der Chief Compliance Officer.

Pohlmann sprach von "systematischen Verfehlungen" im Konzern: "Wir haben es mit einer Führungskultur zu tun, die an vielen Stellen mit Recht und Gesetz und Richtlinien nicht im Einklang stand. Und zwar über viele Jahre."

"Wollen wissen, wer verantwortlich war"

Mit Hilfe der internen Ermittlungen sollen nun die Drahtzieher des Systems ausfindig gemacht werden, sagte Pohlmann dem Blatt.

"Wir wollen wissen, wer verantwortlich war. Ich würde es als ungerecht empfinden, Mitarbeiter der unteren Ebenen heranzuziehen und die Topebene, die möglicherweise Anweisungen gegeben hat, nicht zur Rechenschaft zu ziehen."

Aktionsprogramm

Nach Angaben Pohlmanns soll bis Ende März ein Aktionsprogramm in bis zu 60 Ländern anlaufen, die als korruptionsgefährdet gelten. Damit sollten "Schwächen im System" abgestellt werden. Die Zahl der Compliance-Beschäftigten soll bis auf 400 Mitarbeiter verdoppelt werden.

Bei Siemens waren in den vergangenen Jahren 1,3 Milliarden Euro in dunklen Kanälen verschwunden und vermutlich größtenteils im Ausland als Schmiergeld eingesetzt worden.

Nach der Veröffentlichung von fragwürdigen Zahlungen bei Siemens Österreich ermittelt seit Ende Jänner auch die Staatsanwaltschaft Wien in der Siemens-Schmiergeldaffäre.

(futurezone | dpa)