Inspirierende Konspirationen in Wien
Nach dem Berliner Verschwörungstreffpunkt namens transmediale grübelt die Netzkulturwoche über Konspirationen im digitalen Großraum Wien. Neues Termin- und Gedankenfutter für den Paranoiker in uns.
Wie sehr war die Vergabe des transmediale-Awards in Berlin am letzten Samstag politisch motiviert? Will der prämierte Videofilm "Not a matter of If but When" von Julia Meltzer und David Thorne [aka "The Speculative Archive" - nomen est omen!] Medienkunst-Interessierte dazu verleiten, Problemstellungen im Nahen Osten zu googeln?
Warum wird gezielt versucht, die Herkunft der internationalen Zusammenarbeit zu verschleiern, indem der syrische Performer Remi Farah zwar im Video der US-Künstler, aber nicht auf der Künstlerliste des Festivals aufscheint?
Oder sind "wir" nur beleidigt, weil Medienkunst "made in .at" nur die Ränge zwei und drei belegen konnte?
Raum im Raum im Rahmen der Struktur
Ist das "Quartier für Digitale Kultur/QDK", das ab Donnerstag im MuseumsQuartier neue Büro- und Präsentationsräume eröffnet, ein Trojanisches Pferd im Getriebe des Wiener Kulturareals?
Plant der eigenständige Verein namens QDK wirklich, sich den Geboten des quartier21 zunehmend zu widersetzen, um "die Sprache der digitalen Kultur" [Zitat MQ-Direktor Wolfgang Waldner] als Untermieter im Kernbezirk musealer Repräsentation "noch freier entwickeln" zu können?
Können durch die versprochene Offenheit des neuen "Raum D" Co-Believers aus der copyrightenden Kunst- und Firmenwelt für die offene Gesellschaft gewonnen werden?
Und wo findet die nächste Subversion der Subversion statt?
Donnerstag, 19.00 Uhr, Raum D, Electric Avenue, quartier21, MuseumsQuartier
Was man nicht ausstellen kann ...
Wer darf elektronische Kunst auswählen und ausstellen? Verbirgt sich hinter der Frage nach Qualitätsparametern nicht bloß ein repressiver Ordnungsruf für die kreative Beschränkung des Internets? Kann man gutem Gedankengut aus den digitalen Welten in analogen Räumen überhaupt gerecht werden?
Wie viel "Credibility" färbt von der Kompetenz der geladenen Experten [Franz Thalmair & Sakrowski] auf jene ab, die solche Diskussionen inszenieren [Nora Sternfeld von Schnittpunkt in der basis wien]? Und was wäre, wenn über solche Fragestellungen in der analogen Öffentlichkeit weiter geschwiegen würde?
Donnerstag, 19.00 Uhr, basis wien im brick 5, Fünfhausgasse 5, 1050 Wien
Inszenierung nach eigenem Script
Im Kellergewölbe des Gemeinschaftraums "art united" [gleich neben dem Unicampus, Altes AKH] führt der junge Medienkünstler Julian Palacz noch bis 16. Februar mit computergenerierten Schrift-Bildern unsere Geldbörsen in Versuchung. Ein straighter Python-Algorithmus zeichnet aus Tausenden Suchergebnissen das jeweils gesuchte Keyword schwarz auf weiß auf Alu.
Mit welchem Hintergedanken bringt der Coding-Künstler jedes seiner todschicken "programmierten Bilder" um nur 72 Euro als echtes A3-Unikat in unser Arbeitszimmer - oder gar unsere Kunstsammlung? Und warum schweigen wir hier in den Netzkulturterminen über die anderen Künstler in der Gruppenausstellung?
Donnerstag und Freitag 17.00 bis 19.00 Uhr, Samstag 12.00 bis 15.00 Uhr, Art United, Garnisongasse 11, 1090 Wien
(eSeL)
