Hollywoods Internet-Streik
US-amerikanische Drehbuchautoren wollen mit ihrem Streik verhindern, abermals zu wenig Geld für neue Medien zu bekommen. Die Schreiber wollen nicht noch einmal so schlecht aussteigen wie bei der Einführung von VHS, berichtet das Ö1-Magazin "matrix" heute um 22.30 Uhr.
Die Drehbuchautoren Hollywoods und die Witzeschreiber der New Yorker Late-Night-Talkshows befinden sich nun schon seit zwölf Wochen im Streik. Bei dem Tarifkonflikt geht es um ein ganzes Bündel von Anliegen.
So steht unter anderem die Frage zur Disposition, ob die Autoren von Realityshows gewerkschaftlichen Schutz verdienen.
Im Zentrum des Konflikts stehen jedoch die Honorare, die Drehbuchautoren für die Verwendung ihrer Werke im Netz bekommen. Die Studios wollen sich für den Verkauf von Shows über iTunes und ähnliche Plattformen an den DVD-Honoraren orientieren und Streaming-Übertragungen unter Umständen gänzlich honorarfrei belassen, doch für die streikenden Autoren kommt das nicht infrage.
Diese VHS-Geschichte
Als die Honorare für die sogenannten Heim-Video-Nutzungsformen in den 80er Jahren ausgehandelt wurden, habe man sich von den Studios übers Ohr hauen lassen, glaubt die in Los Angeles lebende Dehbuchautorin Nancy Ellis. "Damals erklärten die Produzenten und Konzerne: Wir wissen wirklich nicht, was aus dieser VHS-Geschichte wird", berichtet sie.
Die Gewerkschaft ließ sich damals nach einem langwierigen, aber erfolglosen Streik auf diese Argumentation ein – und musste in den folgenden Jahren mitansehen, wie die klobigen VHS-Kassetten durch DVDs abgelöst wurden. DVDs erwiesen sich für die Studios als extrem lukrativ, doch an den Honorarsätzen für Autoren änderte sich nichts.
Hollywoods Studios sind in der Alliance of Motion and Television Producers organisiert.
Kein Geld im Netz?
In den Augen der Streikenden versuchen die Studios nun, Autoren mit den gleichen Argumenten abzuspeisen. "Der Verband der Film- und Fernsehproduzenten erklärt nun abermals, dass sie nicht wissen, wie sie Geld mit diesem verrückten Internet-Dingen machen können", erklärt Ellis.
Auch das Gerede von der Internet-Piraterie hält Ellis in diesem Zusammenhang nur für vorgeschoben und angesichts der bisherigen Honorarvorschläge ein wenig zynisch. Schließlich wollten die Studios Inhalte auch am liebsten umsonst. Ellis dazu: "Einerseits sind sie gegen Piraterie, andererseits sind sie im Netz selbst Piraten."
Heute um 22:30 Uhr im Ö1-Magazin "matrix"
Janko Röttgers hat die streikenden Drehbuchautoren vor den Toren der Fernsehstudios in Los Angeles besucht.
(Janko Röttgers)
